2019-06-03 16:18

«Mit den Männern zusammen können wir mehr erreichen»

Doris Fiala, die Präsidentin der FDP-Frauen, gibt die freisinnige Antwort auf den linken Frauenstreik.

Die FDP-Kampagne wird im Juni und August jeweils für eine Woche an den digitalen Plakatwänden in allen grossen Bahnhöfen der Schweiz zu sehen sein. Bild: FDP

Die FDP-Kampagne wird im Juni und August jeweils für eine Woche an den digitalen Plakatwänden in allen grossen Bahnhöfen der Schweiz zu sehen sein. Bild: FDP

  • Janine Hosp

    Janine Hosp

Frau Fiala, gehen Sie am 14. Juni auf die Strasse?
Nein. Der Frauenstreik ist uns FDP-Frauen zu stark mit Gewerkschaften und linken Parteien konnotiert. Ich glaube, dass wir die «göttliche Ordnung», also die Zeit, als wir noch keine politischen Rechte hatten, überwunden haben. Die Frauen haben das Wahl- und Stimmrecht. Sie können sich aktiv am politischen Geschehen beteiligen und sich durchsetzen. Zudem ist der Frauenstreik lediglich ein Signal. Es wird damit keine zusätzliche Frau ins Parlament gewählt und auch keine berufliche Karriere befeuert.

Der Frauenanteil im Bundesparlament ist bei linken Parteien höher als bei den Bürgerlichen. Wie wollen Sie die Gleichstellung vorantreiben?
Wir sind der tiefen Überzeugung, dass wir das Problem mit den Männern zusammen angehen müssen. Sie müssen ebenfalls davon überzeugt sein, dass die Gleichstellung wichtig und richtig ist. Wenn wir unsere Anliegen durchsetzen wollen, brauchen wir ihre Stimme. Auch die Männer müssen im richtigen Moment den richtigen Knopf drücken.

Sie sagten, wir hätten die «göttliche Ordnung» überwunden. Aber auch 23 Jahre nachdem das Gleichstellungsgesetz in Kraft getreten ist, haben wir noch keine Lohngleichheit. Zudem sind Frauen in Führungspositionen krass untervertreten.
Das stimmt nur noch teilweise. Gleichheit beginnt im Kopf. In unserer Kampagne zum Beispiel zeigen wir ein Foto eines Mannes und einer Frau. Unter dem des Mannes steht «rational», unter jenem der Frau «emotional». Das entspricht den Stereotypen in unseren Köpfen, wie unser repräsentatives Testing ergeben hat. Jene Begriffspaare, die im Testing auf die grösste Resonanz gestossen sind, haben wir in die Kampagne aufgenommen. Frauen sind aber ebenso rational wie Männer, deshalb haben wir das Wort «emotional» gestrichen und wie beim Mann «rational» geschrieben. Die Kampagne werden wir im Juni und August in allen Landesteilen lancieren.

Dass Sie 23 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsgesetzes diese Kampagne durchführen müssen, macht aber auch deutlich, dass es die Wirtschaft alleine nicht richten kann.
Wir FDP-Frauen glauben nicht daran, dass uns Frauenquoten oder Sanktionen weiterbringen. Eine wichtige Voraussetzung für die Gleichstellung ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deshalb müssen wir auch endlich einsehen, dass der Dreiklang Familie, Beruf und Politik weder Frauen noch Männer erfüllen kann – der Tag hat für alle nur 24 Stunden. Es gibt zum Beispiel kaum eine Frau im Bundesparlament, die neben ihrem Amt noch berufstätig ist und kleine Kinder hat. Es braucht diese Redlichkeit, sonst tun wir den Frauen keinen Gefallen.

Neu ist Ihre Strategie aber nicht, die Bevölkerung auf Stereotypen zu sensibilisieren.
Man kann natürlich alles kleinreden. Mir ist aber keine nationale Kampagne bekannt, die so viel leistet wie unsere. Die nicht nur sensibilisiert, sondern auch in der ganzen Schweiz Veranstaltungen durchführt, um Frauen zu fördern. Dabei geht es etwa um die Stellung der Frau in den Religionen oder wie nachhaltig Frauen investieren. Mir ist nicht bekannt, dass jemand schon eine ähnliche Kampagne gemacht hätte. Und wenn doch, würde das unser Engagement nicht schmälern.

In der neusten Tamedia-Umfrage sagt eine Mehrheit der FDP-Wähler, sie könnten es durchaus nachvollziehen, dass Frauen für gleichen Lohn und gleiche Chancen auf die Strasse gehen. Politisieren Sie an Ihrer Basis vorbei?
Es steht jeder Frau frei, sich dem Streik anzuschliessen. In unseren Kreisen können wir aber mehr bewegen, wenn wir zusammen mit den Männern Mehrheiten schaffen, anstatt auf die Strasse zu gehen. Wir versuchen, auch die Verantwortlichen in der Wirtschaft zu sensibilisieren. Sie sollten längst erkannt haben, dass gemischte Teams erfolgreicher sind.

Doris Fiala ist Nationalrätin und Präsidentin der FDP-Frauen.
Doris Fiala ist Nationalrätin und Präsidentin der FDP-Frauen.(Bild: Keystone)