2019-01-09 12:17

Ausgetanzt!

Harald Naegeli beendet seine Arbeit am Totentanz im Grossmüsterturm – aus Ärger über Baudirektor Markus Kägi.

Harald Naegeli hat genug von den Beschränkungen seiner Kunst im Grossmüsterturm. Hier mit Skizze seines Totentanzes bei Projektbeginn.

Harald Naegeli hat genug von den Beschränkungen seiner Kunst im Grossmüsterturm. Hier mit Skizze seines Totentanzes bei Projektbeginn.

(Bild: Thomas Burla)

  • Lorenzo Petro

Harald Naegeli will seinen Totentanz im Zürcher Grossmünster nicht vollenden. Nach einer Aussprache gestern Dienstag mit Baudirektor Markus Kägi (SVP) zeigt sich der 78-jährige Künstler verärgert. Einer möglichen Weiterführung könne nur noch der Nachfolger von Kägi zustimmen, der bei den Wahlen im Frühling nicht mehr antritt. «Es ist aber fraglich, ob ich dann noch lebe!», sagt Naegeli. Der Staat sehe sich von seiner Kunst offenbar bedroht statt beschenkt, teilt er in einem Rundschreiben mit.

«Mit Perimeter, Vorschriften, Zensur, notfalls Gefängnis demonstriert der Staat seine Macht», so Naegeli. Die Baudirektion hatte ihm im Dezember erlaubt, seine Strichmännchen und -frauen im Grossmünsterturm einen Totentanz vollführen zu lassen – ein lang gehegter Traum des Künstlers. Allerdings sollte er nur auf vorher vereinbarten Flächen sprayen, auf vier Jahre war das Werk angelegt, der Untergrund mit Anti-Graffiti-Farbe präpariert. Auf seine ursprüngliche Idee, die Skelette auch durch das Treppenhaus des Turms tanzen zu lassen, musste Naegeli verzichten.

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Weil sich der Künstler nicht an die vereinbarten Regeln hielt und über die Markierungen hinaus sprayte, forderte ihn Baudirektor Kägi auf, die Arbeiten zu sistieren. Der verärgerte Magistrat drohte, das gesamte Werk zu entfernen, sollte es zu weiteren Überschreitungen kommen.

«Vielleicht noch ein Totenkopf»

Von der Aussprache am Dienstag im Turm – Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist hatte sich als Vermittler im Streit angeboten – hatte sich Naegeli bereits in der «Neuen Zürcher Zeitung» enttäuscht gezeigt. «Ich habe wenige Motivation, noch viel zu machen», sagt er. Er füge in den nächsten Tagen vielleicht noch etwas hinzu, etwa einen Totenschädel. «Mehr ist bei diesen Voraussetzungen aus künstlerischer Sicht nicht nötig.» So bleibe das Werk halt ein Fragment, ein Torso.

Pfarrer Sigrist hatte das Treffen positiver bewertet. Er sprach von einem berührenden Gespräch. Naegeli habe erkannt, welches Privileg es sei, im historischen Bauwerk sprayen zu dürfen.