2019-04-15 14:45

Die Zürcherinnen und Zürcher erhalten eine echte Auswahl

Die Kandidatur von Tiana Angelina Moser (GLP) fordert die bisherigen Ständeräte ernsthaft heraus. Gut so.

Mit Tiana Angelina Moser wäre Zürich vier Jahre nach Verena Dieners Rücktritt wieder mit einer Frau im Stöckli ver­treten.

Mit Tiana Angelina Moser wäre Zürich vier Jahre nach Verena Dieners Rücktritt wieder mit einer Frau im Stöckli ver­treten.

(Bild: Keystone)

Eben noch schien die Wiederwahl der zwei bisherigen Zürcher Ständeräte im Herbst reine Formsache zu sein: Ruedi Noser (FDP) und Daniel ­Jositsch (SP) leisten solide Arbeit. Das Gespann aus Unternehmer und Ingenieur einerseits sowie Arbeitnehmervertreter und Jurist andererseits ergänzt sich. Man harmoniert und verhalf so einigen Zürcher Anliegen in Bundesbern zum Durchbruch.

Entsprechend entspannt ­stiegen die beiden in den Wahlkampf. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» verglichen sie sich scherzhaft mit den Rolling Stones. Ein Duo, ein­gespielt wie alte Rocker, unermüdlich und erfolgs­verwöhnt.

Doch nun erhalten die Bisherigen ernsthafte Konkurrenz: Tiana Angelina Moser steigt ins Rennen. Die Grünliberale will nach zwölf Jahren im Nationalrat ins Stöckli wechseln, wie sie in der NZZ bekannt gab. Die GLP-Fraktionspräsidentin hat das politische Gewicht, die Bekanntheit und das Profil, um Stimmen im bürgerlichen und im rot-grünen Lager zu holen. Damit könnte sie in einem zweiten Wahlgang vor allem Noser gefährlich werden.

Für einen jüngeren und urbaneren Kanton

Moser positioniert sich politisch zwar nicht völlig anders. Sie steht auch für eine offene Schweiz, befürwortet ein Rahmenabkommen mit der EU und sorgt sich um den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Zürich. Als Grünliberale dürfte sie jedoch von der allgemeinen Klima­euphorie profitieren.

Mit der bald vierfachen Mutter wäre Zürich vier Jahre nach dem Rücktritt von Mosers Parteikollegin Verena Diener zudem wieder mit einer Frau im Stöckli ver­treten; angesichts der Tatsache, dass bis auf die Thurgauerin Brigitte Häberli (CVP) alle heutigen Ständerätinnen auf den Herbst zurücktreten und der kleinen Kammer ein dramatisches Geschlechterungleichgewicht droht, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Schliesslich repräsentiert die 40-Jährige, die mit ihren Kindern in der Stadt Zürich lebt, einen jüngeren und urbaneren Kanton als die beiden über 50-jährigen Herren.

Lockere Sprüche dürften Noser und Jositsch für die Wiederwahl kaum mehr reichen.

Der Wahlkampf verspricht damit also doch noch Spannung. Die Zürcher Stimmberechtigten erhalten fürs Stöckli eine echte Auswahl. Das ist gut so. Neben Noser, Jositsch und Moser bewerben sich auch die kantonalen Präsidentinnen von CVP und Grünen, Nicole Barandun und Marionna Schlatter. Die EVP hat ihren Nationalrat Nik Gugger aufgestellt und mit Roger ­Köppel tritt schliesslich ein erklärter EU-Kritiker und Klimaskeptiker an. Der streitbare SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger dürfte seiner Partei zwar vor allem als Stimmungsmacher dienen.

Die Wahlchancen stark polarisierender Kandidaten sind in einem Majorzwahlsystem gering; daran sind schon andere SVP-Grössen wie Christoph Blocher und Ueli Maurer gescheitert. Lockere Sprüche dürften Noser und Jositsch für die Wiederwahl aber kaum mehr reichen. Zürich erhält einen ernsthaften Wahlkampf ums Stöckli. Wie singt Mick Jagger so schön: «You Can’t Always Get What You Want».