2018-10-11 08:24

Trotz Beschwerde: Kettensägen kreischen am Uetliberg

2100 Bäume drohen dem Holzschlag am Uetliberg zum Opfer zu fallen. In einer designierten Zone wird bereits geholzt.

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Der Krach laufender Kettensägen durchschneidet die Stille, Bäume donnern zu Boden. Unterhalb des Wanderwegs zwischen dem Uto Kulm und dem Restaurant Staffel haben Vorarbeiten für die grosse Holzschlagaktion begonnen. Das zeigt ein Augenschein von Tagesanzeiger.ch/Newsnet heute Mittwochmorgen vor Ort. Die Arbeiten führt eine Forstunternehmung aus dem Kanton St. Gallen aus, dies im Auftrag von Grün Stadt Zürich, wie es auf einer Tafel heisst. Eine ihrer Spezialitäten: «Spezialholzerei».

Die Zone ist abgesperrt, auch auf Schleichwegen versperren Verbotsbanner den Weg. Das Gebiet, wo der Holzschlag begonnen hat, liegt just in einer der Zonen, wo auf einer Fläche von rund 30 Hektaren rund 2100 Bäume gefällt werden sollen, also jeder fünfte Baum in jenem Gebiet. Grün Stadt Zürich, die federführende Dienstabteilung im Departement von Stadtrat Richard Wolff (AL), weist auf Informationsplakaten auf die Aktion hin und bittet die «lieben Wanderer und Waldbesucher» um «Verständnis». Keine Verständnis hat der Verein Pro Uetliberg. Präsidentin Margrith Gysel sagt, sie sei «konsterniert» über das Vorgehen.

Am vergangenen Montag haben die Naturschützer vom Verein Pro Uetliberg beim Zürcher Stadtrat und der Baudirektion von Regierungsrat Markus Kägi (SVP) eine Aufsichtsbeschwerde deponiert. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete. Die Beschwerde richtet sich gegen Grün Stadt Zürich sowie das Amt für Landschaft und Natur, jene Stelle in Kägis Direktion, die den Holzschlag bewilligt hat.

Als vorsorgliche Massnahme soll die Stadt die Arbeiten auf Eis legen, bis über deren Zulässigkeit ein rechtskräftiger Entscheid vorliegt. Die Überlegung dahinter: Würde der Holzschlag während der Verfahrensdauer fortgesetzt, erwiese sich die Aufsichtsbeschwerde als wirkungslos, weil bis zu einem Entscheid die Arbeiten bereits weit fortgeschritten oder gar vollendet wären. Die Sistierung der Aktion hätte also dazu dienen sollen, einen drohenden Verfahrensnachteil abzuwenden.

Wo die Stadt Bäume fällen wird: Die geplanten Holzschläge im Winter 18/19 (zum Vergrössern bitte anklicken).

Eine Sistierung scheint kein Thema zu sein. Im Gegenteil. Heute Morgen hat Grün Stadt Zürich eine Medieneinladung verschickt: Am nächsten Montag wollen Wolffs Fachleute vor Ort erläutern, warum sie den Holzschlag als notwendig erachten. Sie argumentieren mit der Schutzfunktion, die der kantonale Gefahrenkataster diesem Gebiet am Uetliberg zuschreibt. Im abschüssigen Gelände gelte es sicherzustellen, dass kein Holz in die Bachläufe gelange und das Wasser immer gut abfliessen könne. Ansonsten drohten «Schlammlawinen», die sich ins Friesenberg-Quartier ergiessen könnten. Die Naturschützer halten dagegen. Der Holzschlag verstosse gegen übergeordnete Bestimmungen, liege das besagte Gebiet doch in einer Schutzzone.

Für den Verein Pro Uetliberg scheint die Lage fast aussichtslos zu sein. Präsidentin Gysel versuchte es daher mit einem Appell direkt an Stadtrat Wolff. In einer E-Mail, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, ersucht sie ihn nun «dringend, umgehend die nötigen Schritte zum Abbruch dieses unnötigen, widerrechtlichen Eingriffs zu veranlassen». Wolffs Departement sagt auf Anfrage, man sehe keinen Grund, die Arbeiten zu stoppen: «Der Holzschlag am Uetliberg ist sachlich und fachlich sorgfältig begründet und vom Kanton bewilligt. Er dient dem Schutz der Bevölkerung und dem Naturschutz.» Der Stadtrat lehne daher das Begehren von Pro Uetliberg um eine vorsorgliche Massnahme ab.


Video: Baumfällaktion am General-Guisan-Quai

Wegen Pilzbefall: Bäume wurden am Seeufer Opfer der Verdichtung. Video: Tamedia (April 2017)