2012-08-21 08:21

Bäckeranlage: Neuer Streit um Quartierzentrum

SVP und FDP wehren sich gegen eine staatlich geführte Einrichtung und werfen der Stadt Wortbruch vor.

«Das Quartierzentrum funktioniert bestens, wieso soll man etwas ändern?»: SP-Politiker wie Marcel Savarioud bezweifeln, dass Private die Einrichtung günstiger betreiben könnten. (Archivbild)

«Das Quartierzentrum funktioniert bestens, wieso soll man etwas ändern?»: SP-Politiker wie Marcel Savarioud bezweifeln, dass Private die Einrichtung günstiger betreiben könnten. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Vom Problempark zur Quartieroase – diesen Wandel hat die Bäckeranlage hinter sich. Der Park in Aussersihl, in dem sich Ende der 90er-Jahre Drogenabhängige breitmachten, hat sich zum beliebten Quartiertreffpunkt entwickelt. Viel zur Aufwertung beigetragen haben das 2004 von der Stadt eröffnete Quartierzentrum und das Restaurant B.

Doch jetzt wird die «Bäcki» wieder zum Politikum. Pläne des Sozialdepartements, das Quartierzentrum definitiv selber zu betreiben, stossen im Stadtparlament auf Widerstand. SVP und FDP lehnen die dafür beantragten Nettoausgaben von jährlich 313'000 Franken ab und pochen darauf, dass private Träger übernehmen.

«Keine Kernaufgabe der Stadt»

Das Quartierzentrum sei im Kreis 4 zwar gut verankert, sagt SVP-Fraktionschef Mauro Tuena. «Aber es ist keine Kernaufgabe der Stadt, so etwas zu führen.» Eine private Lösung käme günstiger als jene «mit hoch bezahlten Sozialdepartementsmitarbeitern».

Tuena wirft der Stadt vor, zu wenig intensiv nach privaten Trägern gesucht zu haben. Vor allem aber fühlt er sich «über den Tisch gezogen». 2003 habe der Stadtrat in der Weisung zum Bau des Quartierzentrums versprochen, dieses solle von Privaten geführt werden. Für die Bürgerlichen sei dies die Bedingung gewesen, dem 3-Millionen-Kredit zuzustimmen. Auch FDP-Fraktionschef Roger Tognella erinnert an diese Zusicherung der Stadt und fragt sich, wie intensiv die Stadt mit privaten Anbietern verhandelt habe, etwa mit der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren.

Sozialvorsteher Martin Waser (SP) räumt ein, dass der Gemeinderatsbeschluss von 2003 den Auftrag zur Suche nach einer privaten Trägerschaft enthalten habe. «Diesen Auftrag konnten wir leider nicht erfüllen.» Sieben Jahre lang habe man versucht, einen Betreiber für das Quartierzentrum zu finden – erfolglos. Den Vorwurf, zu wenig intensiv gesucht zu haben, weist er zurück. «Wir haben alles darangesetzt, jemanden zu finden, aber wir können niemanden herbeiprügeln.»

Auf eine öffentliche Ausschreibung 2010 hätten sich gerade mal zwei Interessenten gemeldet. Auch diese hätten keine ideale Lösung garantiert. Eine Schwierigkeit liege darin, dass es primär um die Vermietung von Räumen gehe, was die Suche nach einem privaten Anbieter erschwere. Zudem wird das von der Stadt verpachtete Parkrestaurant von einem privaten Wirt geführt und ist nicht Bestandteil der Übernahme.

Gemeinderat entscheidet im September

Für Waser hat die jetzige Lösung auch Vorteile. In der stark genutzten Bäckeranlage sei es wichtig, dass verschiedene städtische Stellen wie Polizei oder Quartierkoordination rasch zusammenarbeiten könnten. «Dieser Ort verlangt grosse Aufmerksamkeit seitens der Stadt.»

Mit Unverständnis reagiert SP-Sozialpolitiker Marcel Savarioud auf das bürgerlichen Nein. «Das Quartierzentrum funktioniert bestens, wieso soll man etwas ändern?» Er bezweifelt, dass Private die Einrichtung günstiger betreiben könnten. SVP und FDP wirft er vor, eine «ideologische Diskussion um Privatisierung» wichtiger zu nehmen als die Aufwertung der Bäckeranlage. Diese sei gefährdet, falls der Ablehnungsantrag eine Mehrheit finde. Der Gemeinderat wird im September entscheiden.

Tages-Anzeiger