2012-09-07 16:31

«Die Bäckeranlage gehört den Familien und Kindern»

Die Berichte zu Platzverweisen für Randständige in der Bäckeranlage lösen unter den Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Lesern heftige Reaktionen aus. Für manche gehört der Ort ihren Kindern, andere sehen dunkle Wolken vergangener Zeiten aufziehen.

Kommen Randständige und Kinder aneinander vorbei? Sommertag in der Bäckeranlage (Bild: 2002).

Kommen Randständige und Kinder aneinander vorbei? Sommertag in der Bäckeranlage (Bild: 2002).

(Bild: Keystone)

  • Jvo Cukas

    Jvo Cukas

Allein wegen Alkoholkonsum dürfen auch Randständige nicht von öffentlichen Parks wie der Bäckeranlage weggewiesen werden. Ist dieser zu exzessiv, steht der Polizei die Massnahme aber offen. Dies antwortete der Stadtrat auf eine Anfrage zweier SP-Gemeinderäte. Dennoch habe die Stadtverwaltung Randständige gebeten, sich auf Bänken niederzulassen, die sich nicht in unmittelbarer Nähe vom Kinderspielplatz oder Planschbecken befinden.

Der Umgang mit Randständigen löst denn auch unter den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet heftige Diskussionen aus. Viele sehen mit der Platzzuweisung schlicht grundsätzliche Rechte in Gefahr. «So, so, jetzt soll also einzelnen Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer Merkmale Platz zugewiesen oder verweigert werden», stört sich Nelson Meier. Ihn erinnert dies an totalitäre Systeme vergangener Zeiten. Serge Rogger, ein – nach eigener Aussage – «ehemals Randständiger» schreibt zudem, wie er oft erlebt habe, dass gewisse Beamte an der Zurechtweisung ihre wahre Freude hätten «und sich so ihren täglichen Billigkick reinpfeifen.»

Ein Reich der Kinder?

Auch Colin Masur ist bestürzt, dass man in Zürich zu derartigen Mitteln greift: «Fehlt nur noch ein Stempel und die genaue Rayonzuweisung für jede Bevölkerungsgruppe.» Wenn dies so weitergehe, seien die städtischen Gebiete bald klar aufgeteilt: «Die Reichen am Zürichberg und die Armen irgendwo, wo sie nicht stören und wo sie vor allem nicht gesehen werden.»

Doch gerade Eltern mit Kindern stehen vollumfänglich hinter der städtischen Praxis. Gerade die Kleinen stiessen immer wieder mit Randständigen zusammen. Astrid Meier beschreibt eine Situation, in der einer seinen Schäferhund im Planschbecken herumtollen lässt. Als eine Mutter ihn bittet, diesen zurückzupfeiffen, sei der Mann verbal aggressiv geworden und habe Flaschen in Richtung der Kinder geworfen. «Die Kids fürchten die Randständigen», ist ihr klares Fazit. Auch für Christian Steinegger ist klar: «Die Bäckeranlage gehört den Familien und den Kindern.» Besonders der öffentliche Alkoholkonsum stösst so manchem sauer auf: «Warum können die Leute ihren Alkohol nicht zu Hause trinken», fragt sich Christian Koch.

Alkohol und Öffentlichkeit

Doch genau hier hört für viele der Spass auf. «Lasst sie doch ihr Bier trinken, wo sie wollen», meint etwa Blanche Wu. «Kleinkinder werden nicht gleich zu Alkis, nur weil sie neben sich jemanden sehen, der an einem Bier nippt.» Auch Christoph Lieberherr findet, es soll jedem erlaubt sein, «seine tägliche Flache» Whisky zu trinken, wo er will. Solange man nicht randaliere oder Frauen belästige, sei dies jedem selbst überlassen. «Das störende Verhalten ist massgebend und sonst gar nichts.»

Nur wenige, wie Patrick Meier, sprechen sich für eine Lösung aus, die beiden Seiten Rechnung trägt: «Es ist schon richtig, schauen die Behörden für Ordnung. Aber genauso müssen wir hinschauen, damit die Behörden nicht übertreiben.»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet