2019-01-22 23:24

UBS erleidet einen Rückschlag

Die Investmentbank rutscht in die Verlustzone. Konzernchef Ermotti aber sieht sein Geschäftsmodell bestätigt.

Sergio Ermotti. Foto: Keystone

Sergio Ermotti. Foto: Keystone

Hat die UBS den Stresstest im vierten Quartal 2018 – in Gestalt heftiger Marktturbulenzen rund um den Globus – bestanden? Unter den Analysten und an der Börse überwiegen die Zweifel. Nach der Vorlage ihres jüngsten Quartalsausweises büsste die UBS-Aktie bis zum gestrigen Handelsschluss gut 3 Prozent an Wert ein – und in ihrem Kielwasser gaben andere Schweizer Bankentitel ebenfalls nach.

Zur Talfahrt am Aktienmarkt mag auch der Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, beigetragen haben: In einem Interview sprach er von einem «schwierigen» Schlussquartal, was die Vorfreude auf den Abschluss der CS nicht eben beflügelte.

Börsensturm zeigt Wirkung

Die UBS enttäuschte in den zurückliegenden drei Monaten vor allem in zweierlei Hinsicht: Zum einen rutschte die Investmentbank in die roten Zahlen (minus 47 Millionen Dollar), was man in Analystenkreisen nicht erwartet hatte. Dort herrschte offenbar die Meinung vor, das in den letzten Jahren stark zurückgeschnittene Investmentbanking, das sich nur mehr als Dienstleister für das Vermögensverwaltungsgeschäft versteht, sei von allfälligen Stürmen an den Märkten nun weitgehend abgeschottet.

Aus Sicht von UBS-Konzernchef Sergio Ermotti trifft dies durchaus zu. «In einem extrem schwierigen Umfeld wie im Dezember 2018 ist es für eine Investmentbank schon sehr respektabel, wenn sie nicht in grossem Stil Geld verliert», gab er zu verstehen. Für die Widerstandskraft der Investmentbanker spreche ferner, dass sie den operativen Ertrag im Handel mit Anleihen und Fremdwährungen im vierten Quartal um 14 Prozent verbessern konnten. Der Quartalsertrag im weitaus gewichtigeren Aktienhandel schrumpfte freilich um 10 Prozent.

Die Enttäuschung Nummer zwei betrifft die Sparte Globale Vermögensverwaltung: Im Berichtsquartal haben UBS-Kunden unter dem Eindruck des vorweihnachtlichen Börsengewitters per Saldo knapp 8 Milliarden Dollar an Vermögen abgezogen. Über das gesamte letzte Jahr gesehen, verzeichnete die Bank einen Netto-Zufluss an Neu­geldern in Höhe von 24,7 Milliarden Dollar – gut halb so viel wie 2017 mit 44,8 Milliarden.

«Mit dem Netto-Abfluss von Kundengeldern können wir sicher nicht zufrieden sein», räumte Ermotti ein. Der Aderlass war insbesondere auf dem amerikanischen Kontinent spürbar, während sich die Schweiz und Asien laut dem UBS-Chef gut hielten.

Hierzulande hat indes ein einzelner Kunde Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet 2,6 Milliarden Dollar von der UBS abgezogen (die Grossbank weist ihre Rechnung seit diesem Jahr in der US-Währung aus). Näheres zu den Umständen dieses Abzugs wollte Ermotti nicht sagen. Er beliess es bei der Aussage, dass der betreffende Kunde weiterhin einen gewichtigen Teil seiner Gelder durch die UBS verwalten lasse.

Rüffel an die Analysten

Obwohl die Bank beim Neugeldzufluss weit hinter den Möglichkeiten zurückblieb – «über alles gesehen, vor allem wenn wir die Ergebnisentwicklung mit einbeziehen, ist in der Vermögensverwaltung das Glas zu drei Vierteln voll», sagte Ermotti. In puncto Profitabilität erweist sich das Amerika-Geschäft ganz klar als Zugpferd der UBS.

Gleichwohl bleibt Ermotti beim Ausblick aufs laufende Jahr vorsichtig: «Die Kurseinbrüche, die wir in der zweiten Hälfte des letzten Jahres und vorab im Dezember erlebt haben, werden 2019 wohl bleibende Wirkung haben.» Das betreffe den gesamten Markt, nicht nur die UBS. Ihr Lenker erwartet also aus heutiger Optik, dass sich die Anleger abwartend verhalten werden – was die transaktionsabhängigen Gebühreneinnahmen in der Vermögensverwaltung dämpft.

Hat also die UBS nach Dafürhalten ihres Chefs den Dezember-Stresstest bestanden? «Die Börsenturbulenzen waren eine Herausforderung buchstäblich für die ganze Bank – auf jeder Ebene», betont Ermotti. Dass es dennoch gelungen sei, die Erträge im Gesamtjahr 2018 um 2 Prozent zu steigern – bei einem gleichzeitigen Abbau der Kosten um 1,7 Prozent – wertete er als Beleg für die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells.

Fragt sich, warum diese Einsicht in der Analystengemeinde nicht durchgedrungen ist. «Die Qualität vieler Analysten lässt zu wünschen übrig», antwortete Ermotti, «auch wenn es einige gute gibt.» Seiner Ansicht nach hätten die Analysten im Nachgang zu den Marktturbulenzen am Jahresende, spätestens aber nach den Jahresabschlüssen der US-Banken, die Gewinnerwartungen für die UBS auf ein angemesseneres Niveau senken sollen.


Jetzt twittert auch der UBS-Chef

UBS-Chef Sergio Ermotti hatte sich an der Pressekonferenz gestern auch zu den in den letzten Wochen kursierenden Gerüchten um seine Nachfolge geäussert. Er finde die Storys dazu unterhaltsam, sagte er. Man habe einen Prozess installiert, um intern und extern nach Talenten Ausschau zu halten, erklärte Ermotti. «Ich habe diesen Prozess bereits im November 2011 gestartet, als ich zum Chef ernannt wurde», so Ermotti. «Das ist Teil meines Jobs und desjenigen von Verwaltungsratspräsident Axel Weber, diese Dinge konstant anzuschauen.» Und er fügte hinzu: «Ich bin nicht unsterblich, also wird eines Tages jemand über meine Nachfolge bestimmen müssen.» Jegliche Art von Veränderung sei aber «Jahre entfernt». Ermotti kommunizierte zum ersten Mal über einen neuen Kanal – er nahm seinen eigenen Twitter-Account in Betrieb. ­Darauf schrieb er – inklusive Emoji und Hashtag #mein­ersterTweet –, er werde auf diesem Kanal künftig seine Ansichten teilen. Allerdings nicht alle, keine Sorge», beruhigte er.

Caroline Freigang