2019-02-11 10:19

Streit um 5G-Antenne in Zürich – Petitionäre sind enttäuscht

Bewohner des Enge-Quartiers wollten eine Handyantenne politisch verhindern. Nun hat der Stadtrat geantwortet.

Hier soll die 5G-Antenne hin: Das Baugespann auf Haus Nummer 28.

Hier soll die 5G-Antenne hin: Das Baugespann auf Haus Nummer 28.

(Bild: Urs Jaudas)

Ganze 450 Leute protestierten gegen die Antenne, die auf einem Wohngebäude an der Rossbergstrasse im Stadtkreis 2 installiert werden soll. Im vergangenen Oktober übergab die Gruppe aus dem Enge-Quartier dem Stadtrat eine entsprechende Petition. Und gelangte an den Gemeinderat Edi Guggenheim (AL), der seinerseits eine schriftliche Anfrage im Stadtparlament einreichte. Darin bat er den Stadtrat um eine Antwort auf die Frage nach einem Planungsmodell für neue 5G-Antennen in der Stadt.

Auf die Petition der Quartierbevölkerung hin verwies der Stadtrat auf den juristischen Weg, den es für die Petitionäre zu beschreiten gelte. Inhaltlich nahm er keine Stellung. Guggenheims Anfrage beantwortete er damit, dass die Stadt nicht in den Planungsprozess der Mobilfunkbetreiber eingreife. Es sei Sache des Bundes, Konzessionen für neue Antennen zu erteilen.

Politischer weg ausgeschlossen

«Es ist enttäuschend, dass die rot-grüne Regierung den Mobilfunkanbietern Tür und Tor für Antennen in der ganzen Stadt öffnet», sagt Martin Grueber, einer der Petitionäre aus dem Quartier. Für ihn und seine Gruppe ist der politische Weg, die Antenne zu verhindern, nun ausgeschlossen, juristisches wollen sie aber weiterkämpfen.

Auslöser für den Protest waren die Absichten der drei schweizerischen Mobilfunkanbieter, das Handynetz auf den sogenannten 5G-Standard hochzurüsten, das wesentlich schnellere Verbindungen möglich macht. Martin Grueber rechnet mit 600 neuen Antennen alleine in der Stadt Zürich – und auch mit Einsprachen aus anderen Quartieren. Wie viele neue Antennen in der Stadt tatsächlich geplant sind, wollen weder Sunrise, Salt noch Swisscom sagen. Allerdings äussert sich gestern Christian Grasser, der Geschäftsführer des Branchenverbands Asut, in der «NZZ am Sonntag» zu den landesweiten Bedürfnissen: «Wir gehen davon aus, dass ohne Anpassung der Anlagegrenzwerte rund 15'000 zusätzliche Mobilfunkstandorte neu gebaut werden müssen.» Das sind nochmals gleich viele Antennen, wie es bereits gibt.

Ohne die neue, schnellere Technolgie gehe es nicht, sagen die Provider. Dies, weil sich alle zwölf bis 15 Monate die Datenmenge verdopple, die Handynutzer über Mobilfunk empfangen und senden. Ohne diese Massnahme sei das Netz rasch am Limit. Da die 5G-Strahlung aber schlechter durch Wände geht als die bisherige 3- oder 4G-Strahlung, braucht es mehr Antennen oder eine Erhöhung der maximal zulässigen Leistung. Letzteres hat der Ständerat im letzten Jahr abgelehnt.

Datenmenge verdoppelt sich jedes Jahr

Grueber verweist auf die mutmasslich gesundheitsschädigende Wirkung der Antennen und legt Studien vor, die das belegen. Dem widersprechen aber wiederum andere Studien wie auch die Provider selber. Die Grenzwerte seien in der Schweiz zehnmal tiefer als in der EU, sagt etwa Sunrise. Hinzu komme: «Die von einem Smartphone ausgehende Strahlung ist um ein Vielfaches höher als jene von Mobilfunkantennen und umso höher, je weiter die Antenne entfernt ist.» Eine gute Abdeckung sei also auch aus gesundheitlicher Sicht wünschenswert.

Der Frust der Petitionäre richtet sich auch gegen die Besitzerin der besagten Liegenschaft, die Pensionskasse Profond. Die Anwohner an der Rossbergstrasse mutmassen, dass die Sammelstiftung aufgrund der Turbulenzen im Betrieb auf jede Einnahme angewiesen sei. Und deshalb rücksichtslos handle. Die Pensionskasse widerspricht und verwies im letzten Frühling auf die gute finanzielle Lage.

Die Gruppe aus dem Enge-Quartier möchte mit ihrem Anliegen notfalls bis vor Bundesgericht ziehen. Ihre Rekurse richten sich gegen die Stadt Zürich und Salt. Grueber ist zuversichtlich. Es wäre bereits das sechste Handyantenne-Projekt im Quartier, das sie mit dem Protest der Anwohner in den vergangenen Jahren verhinderten.