2019-07-11 11:06

Plötzlich fliegen die Bälle zu weit

Baseballer werfen der Liga vor, das Spielgerät manipuliert zu haben. Diese wittert eine Verschwörungstheorie.

Rob Manfreds Unterschrift ist auf jedem Baseball: Doch weiss er etwas über die Bälle, dass die Spieler nicht wissen?

Rob Manfreds Unterschrift ist auf jedem Baseball: Doch weiss er etwas über die Bälle, dass die Spieler nicht wissen?

(Bild: Keystone John Minchillo)

Eigentlich wollten sie ja feiern. Spektakuläre Schläge, faszinierende Würfe, attraktive Spiele. Die Stars des Sports, mal locker und lustig. Es ist All-Star-Woche in der Major League Baseball. Die Woche, in der die besten Spieler der Liga zusammenkommen und den Sport zelebrieren. Doch die Baseball-Welt wird in diesen Tagen ein wenig durchgeschüttelt.

Justin Verlander, Werfer der Houston Astros und einer der Superstars der Sportart, nutzte die Bühne der All-Star-Woche für eine Anschuldigung: «Die Liga macht aus diesem Spiel einen Witz.» In dieser Saison ist die Quote der Homeruns pro Spiel stark gestiegen. In der ersten Saisonhälfte liegt sie bei 1,37. Wenn es so weitergeht, werden am Ende der Saison 6600 Homeruns geschlagen worden sein. Eine Zahl, die selbst in der sogenannten Steroid-Ära in den frühen 2000ern nicht erreicht wurde.

Verlander meint zu wissen, wieso das so ist. Er beschuldigt die Liga, die Bälle verändert zu haben, um mehr Homeruns zu ermöglichen und damit das Spiel attraktiver zu machen. Was die Anschuldigung interessant macht: Die Liga hat vor einem Jahr den Bälle-Hersteller Rawlings gekauft. «Wenn ein 40-Milliarden-Unternehmen eine 400-Millionen-Firma kauft und sich das Produkt stark verändert, musst du dich nicht fragen, was passiert ist. Wir wissen alle was passiert,» sagte Verlander gegenüber ESPN. «Das ist doch kein Zufall. Wir sind keine Idioten!»

Verlanders Vorwurf ist nicht neu. Vor ihm haben bereits andere Spieler die Bälle angeprangert. Die Liga gab darum im Frühling eine unabhängige Studie in Auftrag. Diese kam zum Schluss, dass die Bälle auf ihren Flügen weniger Luftwiderstand haben als früher. Wieso das so ist, wurde nicht erörtert.

Liga-Commissioner Rob Manfred dementierte, dass die Liga die Bälle gezielt verändert habe. Er sprach nach Verlanders Anschuldigungen darum von «Verschwörungstheorien». Seine Theorie für die Zunahme der Homeruns liegt im Kern des Balls: Dieser soll nun anders platziert sein als früher. Dazu komme, dass die Bälle noch immer aus natürlichen Produkten und von Hand gemacht werden. Da würden verschiedene Faktoren mitspielen.

«Ich mag es einfach nicht, wenn man mich anlügt»

Den Spielern geht es aber auch um etwas ganz anderes. «Wenn irgend etwas die Bälle verändert, dann sagt das doch einfach», findet Jake Odorizzi der Minnesota Twins. Vor allem auch darum, weil Baseball eine Sportart ist, in der die Statistik einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Ein paar Homeruns mehr oder weniger können bei Vertragsverhandlungen eine grosse Rolle spielen. So sagt auch Justin Verlander: «Ich mag es einfach nicht, wenn man mich anlügt.»

abb