2018-10-14 14:15

«Vielleicht hat mir die Qualle Superkräfte verliehen»

Die Schweizerin Daniela Ryf dachte beim Ironman auf Hawaii ans Aufgeben – dann verteidigte sie ihren Titel in einem verrückten Rennen doch noch.

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Sie ist die Topfavoritin, die Frau, die es zu schlagen gilt. Bereits dreimal hintereinander hat die Schweizerin Daniela Ryf die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen. Und dann das: Ryf wird beim Einschwimmen von einer Qualle berührt und hat grosse Schmerzen.

Trotzdem macht sie sich auf, ihren Titel zu verteidigen. Die 31-jährige Solothurnerin hat im Wasser aber grosse Probleme. Im Ziel sagt Ryf: «Ich konnte meinen Armzug nicht gut durchziehen.» Sie denkt ans Aufgeben, die erneute Titelverteidigung scheint weit weg.

Doch Ryf nimmt sich einen männlichen Kollegen zum Vorbild und schwimmt weiter: «Ich erinnerte mich mich an Jan Frodeno im Vorjahr, der trotz seinen Rückenbeschwerden und ohne Aussicht auf den Sieg das Rennen beendete.» Sie denkt sich: «Nein, du kannst jetzt nicht aufgeben. Du bist die Titelverteidigerin, da draussen schauen dir Kinder zu, die enttäuscht sind, wenn du jetzt aufgibst.» Mit fast 10 Minuten Rückstand kommt Ryf aus dem Wasser.

Was dann folgt, fasst sie so zusammen: «Ich wollte ein Rennen liefern, an das sich die Zuschauer erinnern werden. Das war mein Ziel. Es war dann auch eines der verrücktesten Rennen, die ich je erlebt habe. Und zum Glück gab ich im Schwimmen nicht auf. Von einem extremem Tief schaffte ich es noch in ein extremes Hoch.»

Auf dem Rad ist Ryf allen überlegen, sie fährt die 180 Kilometer so schnell wie noch nie eine Frau vor ihr. Gegen Ende der Radstrecke überholt sie wie im Vorjahr Lucy Charles. Auch auf der Laufstrecke powert Ryf weiter, plötzlich sind die Schmerzen, das Quallengift und all die Zweifel weit weg.

Nach 8 Stunden, 26 Minuten und 16 Sekunden durchläuft Ryf das Ziel zum vierten Mal in Serie als schnellste Frau. Ihren eigenen Streckenrekord von 2016 unterbietet sie um mehr als 20 Minuten. Die Zahlen sind beeindruckend, die Geschichte dahinter noch viel mehr. Ryf lächelt im Ziel und sagt: «Vielleicht hat mir die Qualle ja Superkräfte verliehen.»

te/sda