2019-08-24 18:38

Kambundji pulverisiert Rekord, Hussein mit WM-Limite

Die Bernerin unterbietet über 200 Meter in 22,26 Lea Sprungers Marke um 12 Hundertstel, der Hürdenläufer steigert sich in Basel auf 49,21.

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  • Monica Schneider

Schweizer Meisterschaften lägen ihr einfach, sagte Mujinga Kambundji nach ihrem Coup auf der Basler Schützenmatte. Am Freitagabend war sie über 100 m in 11,00 bei 0,2 Meter Gegenwind so stark gelaufen wie wohl noch nie – auch nicht bei ihrem Rekord vor einem Jahr in Zofingen (10,95) mit 1,1 Meter Rückenwind. Mit dem Schwung des Vortages holte sie sich, «endlich», wie sie sagte, auch den nationalen Rekord über 200 m.

In 22,26 (+1,2 m/sec) unterbot sie die Marke von Lea Sprunger nicht um einen Wimpernschlag, sondern gleich um 12 Hundertstel. Damit katapultierte sich die 27-Jährige auf Platz 8 der Weltbestenliste – eine äusserst spannende Ausgangslage für Weltklasse Zürich am Donnerstag. Das Rennen wird WM-Niveau aufweisen und Kambundji ist mittendrin.

Seit dieser Woche fühle sie sich explosiv und noch fitter als zuvor, «ich fühle seit dieser Woche, dass ich in Form bin. Und es ist fast einfacher, sie zu halten, als sie zu finden», sagte Kambundji. Und natürlich, da war die Tatsache, dass die Hürden-Europameisterin Sprunger den Sprintrekord über 200 m hält. Ein wenig gebissen hat sie dies schon in den letzten drei Jahren. «Aber jetzt habe ich es endlich geschafft.» Erwartet hat sie eine solche Leistung eigentlich schon 2018, «da war mein Niveau besser als die Resultate, letztes Jahr hätte ich mehr in den Beinen gehabt.»

Nach dem Start bei Weltklasse wird Kambundji am Sonntag noch in Bellinzona antreten, um es danach ein wenig ruhiger anzugehen. «Und dann beginnt die Vorbereitung auf die WM in Doha», sagte sie.

Hussein weinend vor dem Publikum

Ein gefühlt ähnlich grosser Schritt gelang Kariem Hussein über 400 m Hürden. Nach einer bisher verkorksten Saison qualifizierte er sich in 49,21 für Doha, die Limite liegt bei 49,30. Hussein war das Rennen aggressiv angegangen, sein ganzer Auftritt sei besser gewesen als noch am Freitag. «Mit dem Adrenalin im Blut läuft es sich in einem Final einfach anders als ohne im Vorlauf», versuchte er die Steigerung um mehr als eine Sekunden gegenüber dem Vortag zu erklären.

Als er die Ziellinie kreuzte und auf der Uhr sah, dass er den WM-Sprung geschafft hatte, beförderte er als Zeichen seiner Erleichterung die Pylone, welche die Startbahn markiert, mit einem Fusstritt in die Fotografen und schmiss seine Startnummer weg. Als ihn der Stadionspeaker danach auf der Bahn und vor der vollen Zuschauertribüne interviewen wollte, übermannte Hussein ein Gefühlsausbruch grösseren Ausmasses.

Doch die Zuschauer hatten Geduld und feierten den Europameister von 2014. Er war von mehreren Verletzungen gebremst worden und hat nun doch noch zur Form gefunden.

Mit der WM-Qualifikation entgeht er nun bei Weltklasse Zürich auch einem Start im Vorprogramm, wie Meeting-Co-Direktor Andreas Hediger bestätigte. «Hussein wusste das, und wenn er nun will, kann er seinen Startplatz wahrnehmen.» Einfach wird dieses Rennen am Donnerstag für ihn nicht, sein Rückstand auf die Weltspitze beträgt noch immer mehr als eine Sekunde.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet