2019-03-05 15:24

«Es funktioniert nicht, wenn man auf Selbstverantwortung setzt»

ZSC-CEO Peter Zahner nimmt für das Debakel des Meisters die Spieler in die Pflicht.

Die Entscheidung: Dieser Treffer besiegelte das ZSC-Aus. Video: SRF

Was führte zum Verpassen des Playoff?
Im letzten Spiel in Genf konnte man der Mannschaft keinen grossen Vorwurf machen. Bis auf die Chancenauswertung war vieles sehr gut. Wir hatten unglaublich viele Chancen. Natürlich hätten wir da nochmals die Möglichkeit gehabt, uns zu qualifizieren. Aber am Schluss des Tages haben wir es nicht in Genf verspielt. Wir hatten die ganze Saison die Chance, es besser zu machen. Man kann nicht bis zur 50. Runde warten und denken, dann könne man noch die Playoff-Qualifikation schaffen. Wir haben uns durch die ganze Saison hindurch zu viel vergeben. Wir müssen es schon gut anschauen, wieso so viele Spieler sehr, sehr lange ihre Performance nicht bringen konnten.

Wie gross ist Ihre Enttäuschung?
Die Enttäuschung ist natürlich gross. Doch es nicht so, dass man mit diese Situation nicht hat rechnen müssen. Im Dezember habe ich schon mit der Mannschaft gesprochen und gesagt: «Wir spielen und kämpfen um die Playoff-Qualifikation!» Es sind drei Monate vergangen, und wir haben bis zum Schluss um einen Playoff-Platz gespielt. Vielleicht war man sich zu lange dem Ernst der Lage nicht bewusst. Und jetzt haben wir die Quittung bekommen.

Nach dem Trainerwechsel zu Arno Del Curto dachte man, dass jetzt der Umschwung komme. Wieso kam er nicht?
Der Trainerwechsel war sicher nötig. Auch im Nachhinein betrachtet. Denn bis Weihnachten waren zu viele Spieler ausser Form, konnten die Leistung nicht bringen. Ob der Trainerwechsel nun zwei Wochen zu spät kam oder nicht, ist hypothetisch.

ZSC-CEO Peter Zahner. Bild: Keystone

Wieso lief es mit Serge Aubin schief? Hatten Sie ein falsches Bild von ihm?
Ich glaube, Serge Aubin und sein Assistent Craig Streu verstehen sehr viel vom Eishockey. Aber am Ende des Tages hat es bei uns einfach nicht zusammengepasst. Ich glaube, unsere Mannschaft braucht einfach einen Trainer, der sie jeden Tag fordert, der sie führt, mit den Spielern spricht, sie lobt, kritisiert, antreibt oder auch mal bremst. Der ständige Austausch ist wichtig, wenn ich die Mentalität unserer Mannschaft anschaue. Ich glaube, in der Schweiz funktioniert es nicht, wenn man auf die Selbstverantwortung der Spieler setzt. Unsere Mannschaft braucht jemanden, der sofort einschreitet, wenn er merkt, dass sich die Spieler in die Komfortzone bewegen.

Wird Arno Del Curto über diese Saison hinaus bleiben?
Das ist offen. Wir haben von Anfang an abgemacht mit Arno, dass wir nach der Saison miteinander sprechen werden. Natürlich unter der Annahme, dass wir dann hoffentlich im Playoff sind. Wir werden jetzt nichtsdestotrotz die sechs Spiele der Platzierungsrunde abwarten. Und dann sitzen wir zusammen an den Tisch. Wir sind ja jetzt nicht unter Druck, uns beeilen zu müssen. Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist.

Wie erklären Sie sich, dass eine solch gut bestückte Mannschaft so tief fallen kann?
In der Tat haben wir Transfers gemacht, bei denen man uns nicht vorwerfen kann, dass sie schlecht waren. Noreau war Captain des kanadischen Olympiateams, Hollenstein, Bodenmann, Cervenka. Wir dachten, dass wir uns verstärkt hätten. Die Medien übrigens auch. Es gab keinen Journalisten, der sagte, wir hätten Fehltransfers gemacht. Alle sagten, der Weg zum Titel führe über die ZSC Lions. Aber vielleicht waren sich die Spieler dadurch auch zu sicher und dachten: «Wir sind gut!» Und heute kann man in dieser ausgeglichenen Liga dann nicht plötzlich sagen: «Achtung, jetzt wird es eng, jetzt drücken wir auf den Knopf.» Man muss von Anfang an parat sein. Es reicht nicht, in 15 oder 17 von 50 Spielen die Leistung zu bringen. Man muss sie in 40 oder 42 Spielen bringen, damit man ins Playoff kommt, eine gute Saison spielen kann.

Diese Mannschaft hatte von Anfang an nie das Selbstverständnis eines Meisterteam. Das Selbstvertrauen fehlte schon früh. Wieso?
Ich glaube aber, man hatte schon das Gefühl: «Wir sind ja gut. Das kommt dann schon noch.» Das war ein Trugschluss, und wir sind brutal bestraft worden. Wir hatten zu viele Spiele, in denen wir Geschenke gemacht haben. Es war auffällig, dass bis Weihnachten sehr viele Spieler weit unter ihrem Potenzial blieben. Da muss sich auch jeder Spieler selbst hinterfragen.