2019-04-15 16:22

Wo Arsenal und Barcelona absteigen würden

Zählt man in den europäischen Top-Ligen nur die Tore von einheimischen Spielern, gibt es einige Überraschungen. Die Schweiz hätte einen anderen Meister.

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  • Marcel Rohner

Früher, in den 90er-Jahren zum Beispiel, da gab es im europäischen Fussball eine Einschränkung, was die Ausländer betrifft. Drei durften es beispielsweise in Italien sein, Inter Mailand setzte mit Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme auf ein deutsches Trio, der Stadtrivale AC Milan auf ein holländisches, bestehend aus Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard. Alle anderen Spieler in den Kadern waren Italiener.

Heute wechseln Spieler aus aller Herren Länder jeden Sommer und Winter die Vereine, Einschränkungen gibt es nur noch bei Spielern aus dem Raum ausserhalb der EU. Kein Verein verlässt sich mehr auf Ausländer-Trios. In der Super League ist das nicht anders, gut 48 Prozent aller Spieler sind keine Schweizer. Von den fünf europäischen Top-Ligen weisen nur Spanien (42 Prozent) und Frankreich (47 Prozent) eine etwas tiefere Quote auf. Spitzenreiter ist wenig überraschend die Premier League, wo gut zwei Drittel aller Spieler aus dem Ausland stammen.

Basels Swissness zahlt sich aus

Diese hohen Zahlen wirken sich natürlich auch auf die Torschützen aus. Weil der gerade ausgespielte Super-League-Spieltag 29 mit nur vier Toren nicht sehr aussagekräftig ist, bedienen wir uns bei den Spielen von einer Woche zuvor. 15 Tore gab es da, die einzigen Schweizer Torschützen waren Djibril Sow, Sandro Lauper (beide YB), Ruben Vargas (Luzern) und Dereck Kutesa (St. Gallen).

Das Fussball-Portal Transfermarkt.ch führt sehr viele Statistiken und Tabellen. Darunter eine, die zeigt, was denn eben wäre, wenn nur Tore von nationalen Torschützen zählen würden, am Wochenende vom 6. und 7. April also nur jene von Sow, Lauper, Vargas und Kutesa. So viel vorneweg: Es würde einige 0:0-Spiele mehr geben. Und in der Schweiz würde es wohl auch einen anderen Meister geben. Stand jetzt führt der FC Basel diese Tabelle an, mit 15 Punkten Vorsprung vor dem FC Thun, die Young Boys wären sogar hinter dem Kantonsrivalen zu finden.

Am tiefsten sinken aber würde der FC Sion. Liegt das Team von Präsident Christian Constantin in der echten Super-League-Tabelle derzeit auf Platz 4, wäre es in der Tabelle mit Schweizer Torschützen Rang 8. Keine Veränderung gibt es bei den Zürcher Vereinen: Der FC Zürich bleibt Siebter, GC das Schlusslicht mit nur einem gewonnenen Spiel.

Premier League: Wieder der Sensationsmeister

Diese Spielerei lässt sich natürlich auf alle anderen Ligen ausweiten. Mit einigen Überraschungen. In der Premier League beispielsweise wäre der Sensationsmeister von 2016 wieder auf Kurs: Leicester City führt mit nur englischen Torschützen vor Tottenham und Burnley. Manchester City und Liverpool, die beiden Mannschaften, die sich noch um den Titel duellieren, wären auf den Plätzen 4 und 11 zu finden.

Die Differenz der beiden ist vor allem auf Raheem Sterling zurückzuführen. Der erzielte 17 der 18 englischen City-Treffer, bei Liverpool ist es James Milner mit sechs Toren. Brutal ist die Bilanz übrigens bei Wolverhampton. Würden nur die Treffer von Engländern zählen, hätten die Wanderers nur ein Tor erzielt. Und: Arsenal mit seinen zwei Schweizern Stephan Lichtsteiner und Granit Xhaka wäre Zweitletzter.

Bundesliga: BVB und Bayern immerhin in den Top-4

Kein anderes Bild in der deutschen Bundesliga. Wobei: Immerhin sind hier beide Meisterkandidaten vorne dabei. Bayern München läge auf Platz 3, Dortmund auf Platz 4. Bei beiden kommt der Top-Torschütze zwar jeweils aus dem Ausland – es sind der Spanier Paco Alcácer und der Pole Robert Lewandowski –, dafür sind bei den Dortmundern Marco Reus mit seinen 15 Treffern und bei den Münchnern Serge Gnabry (9) und Leon Goretzka (7) ziemlich erfolgreich.

Den Meistertitel würden aber zwei andere Teams unter sich ausmachen: der SC Freiburg und Bayer Leverkusen. Eintracht Frankfurt, mit seinem treffsicheren Trio Sebastien Haller (Frankreich), Luka Jovic (Serbien) und Ante Rebic (Kroatien) in der realen Tabelle auf Platz 4, müsste dafür gegen den Abstieg kämpfen.

Serie A: Die Top-4 in den unteren Regionen

Würde man in der Serie A nur die Torschützen mit italienischem Pass zählen, hätten es die Top-4 (Juventus, Napoli, Inter und Milan) gar nicht einfach. Der Serienmeister aus Turin nämlich würde um die Teilnahme an der Europa League kämpfen und läge auf Platz 8. Napoli und die beiden Mailänder Vereine würden geschlossen auf den Plätzen 12 bis 14 landen. Das ist nicht unlogisch, schliesslich kommt Juventus’ bester Torschütze Cristiano Ronaldo aus Portugal, jener von Napoli (Arkadiusz Milik) und Milan (Krzysztof Piatek) aus Polen und der von Inter (Mauro Icardi) aus Argentinien.

Der produktivste Mann in den Reihen von Sampdoria Genua hingegen ist ein eigener, er heisst Fabio Quagliarella und führt das Rennen um den Titel des Capocannoniere, des Torschützenkönigs, mit 22 Toren an. Darum sind die Ligurer auch auf Platz 1 dieser Liste zu finden, mit fünf Punkten Vorsprung auf die AS Roma. Dahinter, und das ist die grösste Überraschung, liegt SPAL Ferrara. Eigentlich ein Abstiegskandidat, belegen die Norditaliener in der realen Serie-A-Tabelle immerhin Platz 13.

La Liga: Abstieg für Barcelona?

Ziemlich ähnlich wie in Italien wäre die Situation in Spanien, auch hier hätten die Giganten ihre liebe Mühe, es würde sie noch brutaler treffen als die Mailänder Vereine und Napoli. Barcelona würde momentan einen Abstiegsplatz belegen. Top-Torschütze wäre Gerard Piqué mit seinen vier Toren. Da hilft auch Lionel Messi mit seinen 33 Toren nicht. Er hat zwar neben dem argentinischen auch einen spanischen Pass, in dieser Tabelle zählt er aber als Ausländer.

Immerhin: Huesca auf Platz 17 schiebt sich nur dank der Tordifferenz vor die Katalanen. Real Madrid hätte den Klassenerhalt schon so gut wie gesichert. Bei noch sieben ausstehenden Spielen haben die Hauptstädter 14 Punkte Vorsprung auf den ewigen Rivalen. Wenig überraschend ist hier Athletic Bilbao ganz vorne mit dabei, das nur auf Basken im Kader setzt. Leader aber wäre Getafe.

Ligue 1: Der Meister bleibt der gleiche

Um noch ein bisschen die Normalität zu wahren, schielen wir nach Frankreich. Dort nämlich ist Paris St-Germain in beiden Situationen Tabellenführer. Richtig, PSG, das jeden Sommer massig Geld ausgibt, ist die produktivste Mannschaft, wenn man nur die französischen Treffer zählt. Das hängt natürlich vor allem mit einem Mann zusammen. Kylian Mbappé ist momentan Liga-Topskorer.

In der realen Tabelle hat PSG den Meistertitel quasi gesichert, in dieser fiktiven wäre der Kampf mit Olympique Lyon in vollem Gange. Lyon liegt in der französischen Meisterschaft auf Platz 3. Frankreich bringt also gleich zwei Teams aus den Top-4 in die gleichen Regionen der Tabelle mit nur nationalen Torschützen. Das schafft von den besten fünf Ligen in Europa nur Deutschland.