2019-08-25 14:20

Jetzt sucht der FCZ personelle Verstärkung

Das 0:4 in Bern hat gezeigt, dass das Kader der Zürcher nicht genügt. Sportchef Thomas Bickel möchte reagieren.

Nichts ging gegen YB: Blaz Kramer und der FC Zürich.

Nichts ging gegen YB: Blaz Kramer und der FC Zürich.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Besser als Thomas Bickel sah beim FCZ am Samstagabend niemand aus. Jacket, weisses Hemd, Jeans, so stand der FCZ-Sportchef in den Katakomben des Stade de Suisse. Und zählte auf, was alles ungenügend gewesen war bei seiner Mannschaft. Es kam ihm einiges in Sinn: Die Körpersprache, die Arbeit gegen den Ball, die Laufbereitschaft, Aggressivität, Mentalität. Ja, nicht einmal das System mit der Dreierabwehr habe die Mannschaft umsetzen können. «Dabei kann man das doch erwarten.» Kann man. Und noch viel mehr.

Es kann ja sein, dass ein Club einmal Pech hat und sein Personal reihenweise ausfällt. Der FCZ hat gerade dieses Pech. Zehn Spieler fehlten ihm, darunter mit Mahi, Schönbächler und Kololli wichtige Offensivkräfte und mit Rüegg der Captain. Doch dass die Mannschaft untergeht wie in Bern, dass sie sich manchmal auf fast schon peinliche Weise überspielen lässt, dass sie Fehler in Serie begeht, dass sie so wenig Widerstand leistet, das gab Bickel zu denken. Vor dem Match hatte er noch gesagt, dieser Auftritt sei für Trainer, Staff und Mannschaft eine Gelegenheit, um sich zu profilieren. Nach dem Match bilanzierte er: «Unsere Leistung war in allen Bereichen enttäuschend.»

Magnin: «Das 0:4 ist schmeichelhaft»

Dabei hat YB in diesen Tagen weiss Gott wichtigere Aufgaben als den FCZ. Das Team empfing am Mittwoch Roter Stern Belgrad, am Dienstag ist das Rückspiel, es geht um den Schatz der Champions-League. Meistertrainer Gerardo Seoane stellte deshalb auf fünf Positionen um und schonte den minim angeschlagenen Stürmer Hoarau. Doch die geplante B-Auswahl der Young Boys, die getrieben von ihrer Spielfreude manchmal fast schon Zirkusfussball aufführte, war immer noch «zwei Klassen besser» als die ungeplante B-Auswahl des FC Zürich. So hielt das Ludovic Magnin fest. Und er sagte auch: «Das 0:4 ist schmeichelhaft, das Resultat hätte noch viel höher ausfallen können.»

Der Trainer und seine Spieler hatten geglaubt, zuletzt einen Schritt nach vorne getan zu haben mit dem 2:2 gegen Xamax, mit dem 2:1 gegen St. Gallen vor allem. Das erknorzte 2:1 im Cup gegen die Black Stars müssen sie bei diesem Eindruck ausgeblendet haben. In Bern benötigten die Zürcher 25 Minuten bis zum ersten Torschuss. Danach hatten sie noch eine Offensivszene, ein harmloser Kopfball von Blaz Kramer (64.). Die erste Halbzeit des FCZ war schon schwach gewesen. In der zweiten Halbzeit fiel die Mannschaft in sich zusammen. Aus den Super-League-Debüts von Linksfuss Ilan Sauter (18) und Matteo Di Giusto (19) wurden Strafaufgaben.

Sechs Spiele, fünf Punkte, 5:14 Tore

Nach dem 0:4 steht der FCZ nach sechs Partien mit fünf Punkten und 5:14 Toren da. Bickel glaubt trotzdem an den Erfolg des Projekts, möchte nach den jüngsten Eindrücken aber noch Verstärkung für den Sturm, vielleicht auch fürs zentrale Mittelfeld. Und Magnin?

Der FCZ spielt nach Letzigrund-Meeting und Nationalteam-Pause erst in drei Wochen wieder – in Wil im Cup, danach folgt das Heimspiel gegen Thun. Magnin ist «sicher und zuversichtlich, dass wir dann eine ganz andere Mannschaft sehen». Es wäre auch zu seinem Vorteil. Noch glaubt die FCZ-Clubführung daran, dass der 40-jährige Romand so gut ist, wie sie ihn sieht. Noch ist der FCZ auch kein Abstiegskandidat, dafür ist die Saison noch viel zu jung. Aber es wird für ihn gefährlich, wenn er nicht bald die Resultatwende schafft.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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