2019-05-12 23:32

Reaktionen: «Ein rabenschwarzer Tag für GC und für den Fussball»

Trainer Uli Forte und sein Club verurteilen das Verhalten einer Gruppe von GC-Chaoten.

Forte sagt, es sei wichtig, dass sie sich zum Saisonende «nicht abschlachten» liessen. Foto: Fabienne Andreoli

Forte sagt, es sei wichtig, dass sie sich zum Saisonende «nicht abschlachten» liessen. Foto: Fabienne Andreoli

Bis zur 68. Minute ist Luzern - GC noch ein Fussballspiel – ein Vergnügen für die Zentralschweizer, die kurz zuvor 4:0 in Führung gegangen sind; ein Desaster für die Zürcher, die an diesem Nachmittag nie den Eindruck vermitteln, als wären sie überhaupt daran interessiert, ein bisschen Widerstand zu leisten.

Im Sektor der rund 350 GC-Anhänger wird es unruhig. Sie ziehen die Fahnen ein, es sieht nach vorzeitigem Abgang aus. Aber sie haben anderes im Sinn. Ein paar Chaoten überwinden die Abschrankung und signalisieren, dass sie bereit sind, den Platz zu stürmen.

Ein Debakel: GC-Chaoten provozieren Spielabbruch. Video: SRF

Schiedsrichter Alessandro Dudic wird vom vierten Offiziellen an der Seitenlinie über Funk informiert, dass Unruhe aufkommt. Dudic schickt vorsorglich beide Mannschaften in den Kabinengang. Ordnungshüter stellen sich vor die GC-Kurve, acht Minuten später marschieren 26 Polizisten in Vollmontur auf, sie bekommen Applaus des Luzerner Publikums. Sie markieren Präsenz, greifen aber nicht ein.

«Ausser Lindner könnt ihr alle gehn.»GC-Anhang in Luzern

Heinz Lindner macht sich auf den Weg zum Zürcher Anhang. Der ruft ihm zu: «Ausser Lindner könnt ihr alle gehn.» GC-Präsident Stephan Rietiker begleitet den Goalie, und die zwei lassen sich auf das Gespräch mit denen ein, die an der Seitenlinie stehen. Und die nur eines wollen: dass die Spieler Trikots und Hosen vor ihnen ausziehen – als Zeichen, dass sie der GC-Farben nicht würdig sind.

Rietiker und Lindner erkennen: ­Weiterspielen ist keine Option. Nach 22 Minuten wird aus dem Unterbruch ein Abbruch.

Dudic hat in der Vorbereitung auf diesen Sonntag auch dieses Szenario gedanklich durchgespielt. GC vor dem Abstieg, Unmut der Leute im Umfeld – «da muss ich auch für diesen Fall gewappnet sein». Für den 30-jährigen Berner ist es das zweite Mal in dieser Saison, dass er eine solche Situation erlebt. Mitte März war er im Sittener Tourbillon vierter Offizieller, als GC-Chaoten Fackeln aufs Feld warfen und so den Abbruch der Partie provozierten.

Um 17.51 Uhr verkündet die Stadion­speakerin, was der Schiedsrichter entschieden hat. Der GC-Mob klatscht: Ziel erreicht. Die Luzerner Fans höhnen in Richtung Grasshoppers: «Liga B! Liga B!» Was für eine Demütigung für die Spieler, die alle vor der Kurve ihre Trikots deponiert haben und so zumindest teilweise der Forderung nachgekommen sind. «Wir sind GC. Was seid ihr?», ruft ihnen die Kurve hinterher.

«Wenn diese Aktion dazu beiträgt, Ausschreitungen zu verhindern, ist es gut, dass wir sie durchgezogen haben», sagt Lindner, «ob sie nun entwürdigend ist oder nicht.» Der Österreicher zeigt, wie ihm alles nahegeht, sagt, dass es nicht zum Fussball gehöre, was ein kleiner Teil der Zuschauer aufgeführt habe. «Aber wenn man enttäuscht ist, kann ich das verstehen.»

Uli Forte und Heinz Lindner nehmen Stellung. Video: SDA

Ein paar Minuten später redet Uli Forte. An den Anfang seiner Zusammenfassung stellt der Trainer den Satz: «Es ist ein rabenschwarzer Tag für GC.» ­Zuerst bezieht er das auf das Sportliche, er hat geglaubt, dass GC nach der Niederlage von Xamax gegen den FC Zürich am Samstag doch noch einen Funken Hoffnung haben darf. Aber er spürt schnell in diesem Spiel: «Wir sind weit weg von einem Punktgewinn.»

«Suchen wir die Konfrontation?»

Er blendet das üble Ende zunächst aus. Bevor er sagt: «Das ist ein absolutes ­No-go. Es ist auch ein rabenschwarzer Tag für den Schweizer Fussball.» Und er habe Angst gehabt, dass die Lage eskaliere. «Darum war die Frage: Suchen wir die Konfrontation? Oder bemühen wir uns darum, die Wogen zu glätten?» Die ­Bereitschaft, die Leibchen abzuliefern, versteht er als Beitrag, dass die Situation nicht in Gewalt gemündet hat.

Die GC-Spieler verlassen das Feld. Video: SRF

Drei Runden sind immer noch zu spielen, das ist nicht eben eine gute Aussicht. GC in diesem sportlichen Zustand und mit Anhängern, die offensichtlich zu vielem bereit sind. Forte sagt, er müsse sich jetzt um die Mannschaft kümmern, gesteht ein, dass «in Sachen Qualität einiges fehlt». 18-mal in Folge hat GC kein Spiel mehr gewonnen, am Donnerstag geht es zu Meister YB. Forte sagt: Es sei wichtig, dass sie sich zum Saisonende «nicht abschlachten» liessen.

Präsident Rietiker zieht es vor, das Luzerner Stadion wortlos zu verlassen. Reden will er heute: Auf 10 Uhr ist eine Medienkonferenz anberaumt.

In einem Communiqué hat sich der Club noch am Abend zu den Vorfällen geäussert: «Es ist beschämend und schlicht inakzeptabel. Die Gefährdung von Zuschauern, Stadionpersonal und Spielern nimmt der Grasshopper-Club Zürich nicht hin. Randalierer machen auf diese Weise den Fussballsport kaputt.» Die Trikots seien der Kurve überlassen worden, weil sonst «die Situation zu eskalieren drohte. Die Entscheidung bedeutet nicht, dass wir damit das unsportliche und menschlich fragwürdige Verhalten gutheissen. GC fordert die Justiz, Polizei, den SFV und auch die Liga auf, ernsthaft über die Bücher zu gehen. Mit Bussen und Sanktionen gegen die Clubs ist es nicht getan. Man kann die Clubs in dieser Situation nicht alleinlassen.»

GC wird das Spiel forfait verlieren. Und es muss von Geisterspielen als Strafe ausgehen.