2019-08-27 10:56

Das Ausnahmetalent wechselt die Seiten

Malin Gut gilt als hochbegabt, der Verband fördert sie speziell. Nun geht die 19-Jährige vom FCZ zu GC – ein Transfer, der wie ein Rückschritt wirkt.

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Ausnahmetalent. Zukunftshoffnung. Hochbegabte: Wo Malin Gut ist, sind Superlative selten weit weg. Die neue GC-Spielerin ist Teil des Footura-Projektes des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), gehört also zu den Auserwählten, die speziell gefördert werden. Auch wurde sie schon vom Schweizer Fernsehen in der Serie «Morgen sind wir Champions» begleitet. Dort schwärmt nicht nur U-19-Nationaltrainerin Nora Häuptle von der Mittelfeldspielerin, auch Marco Otero, Leiter der Jugendakademie beim FC Valencia, findet fast schon poetische Worte: «Sie hat eine Spielweise, die einen schnell berührt.» Otero, selber lange Zeit als Trainer oder Nachwuchsverantwortlicher in der Schweiz, lernte sie als Berater des Nationalteams kennen.

Viel Lob für eine junge Frau, die eben erst 19 wurde. Und sie? Wirkt scheu, lächelt verlegen, wenn sie auf solche Worte angesprochen wird. Als wäre ihr das alles etwas zu viel, ja peinlich.

«Es gab viele Phasen, in denen ich meine Entscheidung hinterfragte»Source

Es ist schon früh ersichtlich, dass dieses Aargauer Mädchen Aussergewöhnliches leisten kann. Sie spielt Fussball, seit sie fünf ist. Zuerst in Däniken, dann via Fislisbach zum FC Baden. Dort spielt sie bis zur U-15 mit Buben. Während dieser Zeit lebt sie bei einer Gastfamilie, denn sie besucht das Ausbildungszentrum des SFV. Eine schwierige Zeit sei das gewesen – wegen des Heimwehs. «Es gab viele Phasen, in denen ich meine Entscheidung hinterfragte», sagt Gut.

Heute ist sie froh, dass sie die drei Jahre durchgezogen hat. 2015 wechselt die Niederrohrdorferin ins Sportgymnasium Rämibühl. Und zum FC Zürich, dem Serienmeister der NLA.

Mit 15 holt sie das Double

Eigentlich soll sie im Nachwuchs reifen, doch es kommt anders. Bereits in ihrer ersten Saison debütiert sie in der NLA und erobert sich einen Stammplatz. Sie gewinnt mit dem FCZ das Double – mit 15. Natürlich ist sie die Jüngste im Team. Das bedeutet auch: Bälle aufpumpen und beim 5 gegen 2 immer in die Mitte müssen. Vier Jahre lang geht das so, denn auch in ihrer letzten Saison beim FCZ ist sie noch die Jüngste im Team.

2018 ist auch ihr schwierigstes Jahr. Ein Bänderriss im Fuss stoppt sie: «Der erste Rückschlag in meiner Karriere.» Besonders bitter: Die Verletzung erleidet sie kurz vor der WM-Barrage gegen Holland im November. «Das hat schon wehgetan, absagen zu müssen.» Andererseits: Sie zehrt von ihrem Debüt im Nationalteam eine Runde zuvor. «Ich habe zwei Länderspiele durchgespielt. Crazy!» Es ist ihr nächster Meilenstein, nachdem sie wenige Monate zuvor an der U-19-EM in der Schweiz ihr Team als Captain angeführt hatte: «Wir spielten vor 2000 Zuschauern, und alle fieberten mit: Freunde, Familie. Das war mega schön.» Rund drei Monate fällt sie aus. «Ich wollte erst wieder auf den Platz, wenn ich mich wirklich sicher fühle», sagt sie.

Vernunft und Geduld, keine üblichen Tugenden für eine 18-Jährige. Ihre Einstellung zahlt sich aus. Gut kehrt zurück, holt erneut mit dem FCZ das Double, wird ins Team der Saison gewählt – und wechselt dann zu GC. «Für viele kam das recht überraschend. Manche würden es auch als Rückschritt bezeichnen. Aber ich will diese Veränderung», sagt Gut.

«Sie ist die Spielmacherin, die wir gesucht haben.»Walter Grüter, GC-Coach

Doch wieso geht ein Ausnahmetalent von den Liga-Dominatorinnen zu GC, einem Team, das vergangene Saison um 37 Punkte distanziert wurde? Gut erzählt von der tollen Stimmung, die dort herrsche. Den Zielen, die sie beim neuen Club reizen. Ärgern wollen sie mit GC den FCZ dieses Jahr, sagt Gut. Von der Gejagten zur Jägerin. Sie strahlt: «Darauf freue ich mich.»

So erhält GC-Trainer Walter Grüter seine absolute Wunschspielerin: «Sie ist die Spielmacherin, die wir gesucht haben.» Er ist begeistert von Guts Fähigkeit, das Spiel zu lesen. «Sie ist eine Mittelfeldspielerin mit grosser Zukunft.»

Denkbar ist allerdings, dass Grüter sie nur eine Saison lang coachen darf. Nächsten Sommer schliesst Gut die Matura ab, danach wird ein Wechsel ins Ausland ein Thema. Gut sagt: «Es wäre ein guter Zeitpunkt.» Als Kind schwärmte sie vom FC Barcelona. Jetzt sagt sie, sie sei offen für alle fünf europäischen Topligen.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet