ABO+2019-06-12 12:05

«Prüde Bitch!»: Wie Journalistinnen sexuell belästigt werden

Eine exklusive Umfrage zeigt: Frauen in der Medienbranche sind besonders stark von Übergriffen betroffen – durch Kollegen, Interviewpartner, Chefs.

Es passiert im Büro und unterwegs: Viele Journalistinnen erzählen von verbalen und körperlichen Belästigungen. Illustration: Benjamin Güdel

Es passiert im Büro und unterwegs: Viele Journalistinnen erzählen von verbalen und körperlichen Belästigungen. Illustration: Benjamin Güdel

«Betreibst du gerne Bettsport?»

«Was hältst du davon, wenn ich dich packen und von hinten meinen Schwanz in dich rammen würde?»

«Du musst wohl mal wieder durchgefickt werden.»

«Hast du dich hochgeschlafen, dass du in diese Position gekommen bist?»

«Wir haben über deinen Arsch gesprochen.»

«Geh mit deinem Mund näher ans Mikrofon und stelle dir vor, es sei mein grosser Schwanz.»

«Prüde Bitch!»

Solche Sprüche müssen sich Journalistinnen bei ihrer Arbeit anhören. Von ihren Vorgesetzten und Teamkollegen, von Interviewpartnern und Informanten, von Experten und anderen Auskunftspersonen. Es passiert im Büro, bei Dreharbeiten, bei Treffen mit Politikern, Managern, Musikern und Sportlern. In einer anonymen Umfrage des Recherchedesks und des Datenteams von Tamedia berichten 244 von 458 weiblichen Medienschaffenden, dass sie sexuelle Belästigungen oder Übergriffe bei der Arbeit erlebt haben. Das sind 53 Prozent der Teilnehmerinnen.