2014-01-31 21:10

«Ich werde niemals freiwillig zurückkehren»

Amanda Knox hat sich im US-Fernsehen zu ihrer erneuten Verurteilung durch ein Gericht in Florenz geäussert. Sie werde «bis zum Ende» gegen die Gefängnisstrafe kämpfen, so die Studentin.

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Die US-Studentin Amanda Knox wehrt sich gegen ihre erneute Verurteilung wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher in Italien. Sie werde «bis zum Ende» gegen die Gefängnisstrafe kämpfen, sagte die 26-Jährige im US-Fernsehen. Die Familie des Opfers forderte die Auslieferung von Knox nach Italien. Deren ebenfalls verurteilter Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde nahe der Grenze von der Polizei aufgespürt.

Knox war am Donnerstagabend von einem Berufungsgericht in Florenz erneut des Mordes schuldig gesprochen und in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Sollecito wurde ebenfalls des Mordes schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verteidiger kündigten umgehend Berufung an. Solange nicht darüber entschieden ist, ist das Urteil nicht rechtskräftig.

«Übereifrige und unversöhnliche Anklage»

Als das Urteil aus Florenz gekommen sei, habe sie «nicht glauben können, was ich höre», berichtete Knox - offenbar den Tränen nahe - dem Fernsehsender ABC. «Meine erste Reaktion war: Das ist Unrecht und ich werde alles tun, um es zu beweisen.» Zuvor hatte Knox in einer Stellungnahme das italienische Justizsystem scharf angegriffen. Sie kritisierte «eine übereifrige und unversöhnliche Anklage, von Vorurteilen geprägte und engstirnige Ermittlungen, die fehlende Bereitschaft, Fehler zuzugeben und das Beharren auf unglaubwürdigen Zeugenaussagen und Beweisen».

Knox war dem Prozess aus Angst vor einer erneuten Verurteilung ferngeblieben. Es ist unklar, ob die USA sie nach Italien ausliefern würden. Die 26-Jährige sagte ABC: «Ich werde niemals freiwillig zurückkehren.» Eine Auslieferung von Knox nach Italien forderte der Bruder des Opfers, Lyle Kercher. «Wenn jemand des Mordes schuldig befunden und dafür verurteilt wurde und ein Auslieferungsabkommen zwischen zwei Staaten besteht», dann sei das die normale Vorgehensweise, sagte er in Florenz.

Sollecit an Grenze aufgespürt

Die italienische Polizei vermeldete ihrerseits, dass Sollecito in der Nacht in der Nähe der Grenze zu Österreich und Slowenien in einem Hotel aufgespürt wurde. Der 29-Jährige habe keinen Widerstand geleistet und sei mit zur Polizeistation genommen worden, wo er entsprechend dem Urteil seinen Pass abgeben musste. Er darf Italien vorerst nicht verlassen.

Die damals 21-jährige Britin Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung im italienischen Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war zudem vergewaltigt worden.

In einem ersten Prozess sprach ein Gericht in Perugia Knox und Sollecito im Dezember 2009 des Mordes schuldig, sie wurden zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht sprach die beiden jedoch 2011 nach vier Jahren Haft frei. Der neue Prozess in Florenz wiederum wurde 2013 vom obersten italienischen Berufungsgericht angeordnet, das Widersprüche und Unzulänglichkeiten im Berufungsverfahren sah.

Wegen des Todes von Kercher verbüsst bereits der Drogendealer Rudy Guede, dessen DNA am Tatort gefunden wurde, eine 16-jährige Haftstrafe.

kpn/AFP

Zum ersten Mal nach ihrer zweiten Verurteilung ist Amanda Knox öffentlich aufgetreten.

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