2014-04-30 10:11

Streit um Geld soll Knox zur Mörderin gemacht haben

Meredith Kercher wurde laut dem Berufungsgericht gemeinsam von drei Personen getötet. Zuvor soll die britische Studentin der Amerikanerin Knox Diebstahl vorgeworfen haben.

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Ein Geldstreit könnte für die US-Amerikanerin Amanda Knox nach Einschätzung des Berufungsgerichts in Florenz ein Motiv für den Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher gewesen sein. Die beiden Austauschstudentinnen hätten deswegen in der Mordnacht miteinander gestritten, heisst es in der gestern veröffentlichten 337-seitigen Urteilsbegründung des Gerichts, in der die Schuldsprüche gegen Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito aus dem Januar erläutert werden.

Das Berufungsgericht in Florenz erklärte, der ebenfalls bereits wegen des Mords verurteilte Rudy Hermann Guede habe nicht allein gehandelt. Darauf deuteten die Verletzungen des Opfers hin. Kercher sei «von zwei unterschiedlichen Messern» in den Hals getroffen worden. Die tödliche Verletzung sei der Austauschstudentin von der US-Amerikanerin Knox zugefügt worden.

Streit um Geld

Darüber hinaus seien Fingerabdrücke auf ihrem Körper zu erkennen, die darauf hindeuteten, dass sie mit Gewalt festgehalten worden sei – das schliesse die Möglichkeit aus, dass Guede der einzige Angreifer gewesen sei. Auf dem BH-Verschluss des Opfers gefundene DNA-Spuren seien von Sollecito. Nach Ansicht des Gerichts deuten auch mehrere Indizien darauf hin, dass Knox und Sollecito «in der Phase unmittelbar nach dem Mord» am Tatort gewesen seien.

Das Berufungsgericht erklärte ausserdem, es gebe genügend Hinweise, dass die Beziehung zwischen den beiden Mitbewohnerinnen schlecht gewesen sei. Guede zufolge habe Kercher Knox vorgeworfen, Geld aus ihrem Zimmer gestohlen zu haben, hiess es in der Urteilsbegründung. Kercher sei daraufhin von Knox, von Sollecito und von Guede angegriffen worden. Es sei aber nicht zwangsläufig so, dass alle Angreifer dasselbe Motiv gehabt hätten.

Langer Kampf um Auslieferung erwartet

Die Hypothese eines ausgeuferten Sexspiels sei hingegen nicht glaubhaft. Die 21-jährige Kercher war 2007 halbnackt und mit zahlreichen Messerstichen in ihrem WG-Zimmer in Perugia gefunden worden. Knox und Sollecito hatten die Tat stets bestritten. Die 26-jährige Knox und der 30-jährige Italiener Sollecito waren für den Mord Ende Januar zu 28 Jahren und sechs Monaten sowie 25 Jahren Haft verurteilt worden. Anwälte von Knox und Sollecito hatten angekündigt, gegen das jüngste Urteil vor dem höchsten Gericht Italiens Berufung einzulegen. Die schriftliche Begründung des Gerichts musste nach 90 Tagen vorliegen. Das ist nun der Fall.

Falls das Oberste Gericht, der Kassationsgerichtshof, die Schuldsprüche bestätigt, wird ein langer Kampf über die Auslieferung von Knox erwartet. Ein Antrag auf Auslieferung käme wohl erst nach der Bestätigung infrage, wobei die Entscheidung darüber in Händen des US-Aussenministeriums läge.

2011 waren Knox und Sollecito in einem Berufungsverfahren noch freigesprochen worden, unter anderem wegen Zweifeln an den DNS-Beweisen. Sofort nach ihrer Freilassung kehrte die damalige Austauschstudentin Knox in die USA zurück. Sie hatte bereits angekündigt, niemals aus freien Stücken nach Italien zurückzukehren.

rub/AP/sda