2020-01-14 18:30

So reagieren britische Medien auf die royale Krisensitzung

Angst vor einem TV-Interview und ein auffällig persönliches Statement der Queen: Die Medien in Grossbritannien erklären, wie es um die Harry-und-Meghan-Krise steht.

Die britische Gerüchteküche kocht: Eine Frau liest die Nachrichten in einem Frisör-Salon in London. Bild: Andy Rain, EPA/Keystone

Die britische Gerüchteküche kocht: Eine Frau liest die Nachrichten in einem Frisör-Salon in London. Bild: Andy Rain, EPA/Keystone

Es sei ein Sieg für Prinz Harry und Herzogin Meghan, schrieben einige britische Medien nach der gestrigen Krisensitzung mit der Queen. Die beiden hätten Königin Elizabeth II. keine andere Wahl gelassen, als einzuknicken, so Experten gegenüber der britischen «Daily Mail». Diese habe einen «royalen Krieg» verhindern wollen. Wenige Stunden vor dem Treffen wurden Befürchtungen laut, Prinz Harry und Herzogin Meghan könnten mit einem Fernsehinterview an die Öffentlichkeit gehen, sollte Königin Elizabeth II. ihren Plänen nicht entgegenkommen. Der Schaden eines nicht vom Palast genehmigten Interviews wäre immens gewesen, zitierten britische Zeitungen am Montag nicht näher genannten Quellen.

Wer laut verschiedenen Medienberichten beim Treffen der Familie nicht dabei gewesen sein soll, ist Meghan selbst. Die 38-Jährige reiste kurz nach der überraschenden Ankündigung von letzter Woche mit ihrem Sohn Archie nach Kanada. Dort hätte sie per Skype mit dem Rest der Familie in England verbunden werden sollen. So weit sei es jedoch nicht gekommen. Prinz Harry und Herzogin Meghan seien im Vorfeld zum Schluss gekommen, dass ihre Anwesenheit nicht notwendig sei, erklärte eine Quelle gegenüber der britischen «Sun».

Verlieren Harry und Meghan ihre Titel?

Nach dem Treffen und einem offiziellen Statement der Queen brodelte die Gerüchteküche in der Boulevardpresse fleissig weiter. Die britische «Daily Mail» etwa analysierte die Medienmitteilung der Queen detailliert und schloss etwa aus der informellen Ansprache der Queen auf einen eventuellen Titelentzug der beiden Royals. Die Queen sprach Harry sowie Meghan nämlich nicht, wie üblich, mit «Herzog und Herzogin von Sussex an, sondern direkt mit dem Vornamen. Andere Royalexperten sahen darin jedoch auch einfach «eine Grossmutter, die zu ihrer Familie spricht».

Wollen sich von ihren royalen Pflichten teilweise lösen: Herzogin Meghan und Prinz Harry. Bild: Frank Augstein, AP/Keystone

Zu reden gab auch das Verhältnis zwischen William und Harry. Nachdem die beiden Brüder Vorwürfe zu einem Medienbericht über ihre angeblich schlechte Beziehung am Montag dementiert hatten, legte die «Sun» am Dienstag nach und behauptete mit Verweis auf interne Quellen, die Brüder hätten sich vor einem Polo-Charity-Event im Juli 2019 heftig gestritten. Nach diesem Vorfall habe sich die Beziehung dann stetig verschlechtert, und inzwischen läge sie gar auf einem «Allzeittief». William fühle sich von Harry betrogen und im Stich gelassen, während Harry ihm und seiner Frau Kate Middleton vorwerfe, Meghan nie eine Chance gegeben zu haben.

Strenge Vermarktungsregeln

Wie es nun weitergeht, ist noch offen. Prinz Harry und Herzogin Meghan beharren darauf, keine öffentlichen Gelder mehr zu empfangen, ausser bei Reisen und Arbeiten im Dienst des Hofes. Schwerwiegender dürfte ein eventueller Wegfall des Taschengeldes von Vater Prinz Charles sein. Laut Medienberichten unterstützt er seinen Sohn mit jährlich rund 2,3 Millionen Pfund. Ein Freund der Familie wies gegenüber der «Daily Mail» darauf hin, dass dessen Vermögen nicht unlimitiert sei. Harry müsse sich dessen bewusst sein.

Wie also soll sich das Paar über Wasser halten? Arm sind sie sicherlich nicht. Ihr gemeinsames Vermögen wird auf 30 Millionen Pfund geschätzt. Meghan als ehemalige Schauspielerin hat Kontakte zur amerikanischen Filmindustrie. Ausserdem wäre da noch ihre gemeinsame Handelsmarke «Sussex Royal». Betreffend Vermarktung würden zukünftig jedoch strenge Regeln gelten, so ein Insider zur «Daily Mail». «Es wird beispielsweise strikte Einschränkungen beim Branding geben. Niemand möchte ihre Namen auf einer Margarineverpackung sehen.»

Kanada dementiert angebliche finanzielle Unterstützung

Die Queen kündigte in ihrem Statement eine «Übergangsphase» an, in welcher das Ehepaar Harry und Meghan in Kanada und England wohnen. Laut Experten könnte dies auf ein Teilzeitpensum am königlichen Hof hinauslaufen.

«Wir haben konstruktive Diskussionen geführt»: Queen Elizabeth II. verlässt eine Kirche auf dem Landgut Sandringham am 12. Januar 2020. Bild: Neil Hall, EPA/Keystone

Der britische «Evening Standard» hatte am Montag berichtet, es gebe eine private Zusicherung des kanadischen Regierungschefs Trudeau an die Queen, dass die Sicherheit der Kleinfamilie gewährleistet sei, wenn diese in Kanada wohne. Trudeau sagte «Global News» hingegen, die Frage, wer die Sicherheitskräfte bezahlen werde, sei «Teil der Überlegungen, die es noch geben muss». Dazu müssten Harry und Meghan zunächst weitere Entscheidungen treffen. Allgemein werde ihnen in Kanada aber ein «Gefühl von Wertschätzung» entgegengebracht, so Trudeau. Kanada, wo Meghan lange als Schauspielerin tätig war, gehört zum Commonwealth. Die britische Queen ist Staatsoberhaupt des Landes.

Am Montag trafen sich die britische Königin Elizabeth II.,ihre beiden Enkel Prinz William und Prinz Harry sowie ihr Sohn Prinz Charles im Sandringham House in der englischen Grafschaft Norfolk zum Krisentreffen. Inhalt war die überraschende Ankündigung Harrys und seiner Frau, der US-Amerikanerin Meghan Markle, von ihren royalen Pflichten zurückzutreten. Das Ziel war es, eine definitive Abwendung vom Königshaus zu verhindern. Das Ziel wurde erreicht. Man habe «konstruktive Diskussionen» geführt, schrieb die Queen in einer Medienmitteilung. «Dies sind komplexe Angelegenheiten für meine Familie, die gelöst werden müssen. Es gibt noch einiges an Arbeit zu tun, aber ich habe darum gebeten, dass in den kommenden Tagen endgültige Entscheidungen getroffen werden.»

sho/sda