2019-05-15 21:07

Fans diffamieren «Game of Thrones»

Weil Fans von der Entwicklung der Serie enttäuscht sind, starten sie eine Kampagne gegen die Autoren. Sie machen es sich zu einfach.

Daenerys im Wutmodus: Auch einige Fans geraten ob der letzten «Game of Thrones»-Folgen in Rage.

Daenerys im Wutmodus: Auch einige Fans geraten ob der letzten «Game of Thrones»-Folgen in Rage.

Als hätten begnadete Verschwörer wie Varys oder Little-Finger ihre Hand im Spiel: Je näher wir dem Ende von «Game of Thrones» (GoT) kommen, desto mehr wenden sich die Fans gegen die Serie. In den klassischen und sozialen Medien meckern die Kritiker über alles mögliche: vom übersehenen Starbucks-Becher bis zur Flammenwerferkraft von Daenerys letztem Drachen.

Das Genörgle begann schon mit der siebten Staffel, die Dialoge seien nicht mehr so gut, die logischen Brüche zu krass, die Entwicklung der Figuren überhastet. Nun gibt es immer die obligaten Nörgler, neu ist das Ausmass der Kritik. Manche Fans waren so enttäuscht, dass sie den Reddit-Kanal «/r/Freefolk» dazu benutzten, Google zu manipulieren. Wer dort nach «Bad Writers» sucht, also schlechten Autoren, bei dem werden nun die beiden Drehbuch-Autoren David Benioff und D.B. Weiss angezeigt. Was weniger eine Kritik, denn reine Bösartigkeit ist.

Es ist zudem ein Zeichen unserer Zeit, dass das Publikum sich wichtiger nimmt als die Akteure: Kommentatoren finden sich interessanter als die Artikel, die sie kommentieren, Fussballfans bedeutender als der Club, für den sie fanen und Serienfreunde diffamieren die Autoren ihrer Lieblingsserie.

Plot im Gegensatz zu den Büchern entschlackt

Benioff und Weiss hatten die knifflige Aufgabe, das Ende einer Serie zu schreiben, deren Buchvorlage etwa in der sechsten Staffel aufhört. Die Fans meinten entsprechend einen Qualitätseinbruch zu erkennen, im Vergleich zum Autor der Buchserie George R.R. Martin. So zumindest das Urteil, auf das ein Teil der Fangemeinde sich geeinigt hat.

Ob das wirklich so zutrifft, ist eine andere Frage. Wer die Bücher kennt, weiss nämlich, dass die TV-Serie den Büchern in vielen Punkten auch überlegen ist, weil sie den Plot im Gegensatz zu den Büchern entschlackt hat. Was obskure Schauplätze und Nebenerzählungen angeht, sind die Bücher teilweise unübersichtlich, ja wirr.

Serienende ist auch ein kleiner Tod

Vielleicht hat die Enttäuschung aber auch mit etwas anderem zu tun. Wie jeder Serienfan weiss, ist das Ende einer grossen Serie immer ein zweischneidiges Schwert. Jedes Serienende ist immer auch ein kleiner Tod. Jahre hat man mit den Figuren gelebt, geatmet, mit ihnen gelitten und sich gefreut – und dann ist plötzlich alles zu Ende, der Fan bleibt zurück, allein und leer. Umso grösser wahrscheinlich das Bedürfnis nach einem befriedigenden Abschluss.

Nur belanglose Serien plätschern unendlich voran, so dass sich kaum mehr jemand an die Anfänge erinnern kann. Grosse Erzählungen verlangen nach einem nach einem grossen Ende. An dieser Aufgabe sind schon viele Serienmacher gescheitert. Aber noch ist GoT ja nicht zu Ende. Ein abschliessendes Urteil ist erst ab Montag möglich.

Viele Fans werden enttäuscht sein

An die wohl erfolgreichste Serie aller Zeiten sind die Erwartungen besonders gross. Während andere Drama-Serien bei jeder Staffel zu einem neuen Erzählbogen ansetzen und sich in unbekannte Richtung entwickeln, war bei GoT die Klimax von Anfang klar und damit auch die zwei Fragen, die am Ende geklärt sein müssen: Wie kann die Menschheit die White Walker und ihre Eiszombies besiegen? (Das wissen wir mittlerweile.) Und wer wird am Ende auf dem eisernen Thron sitzen?

Am nächsten Montag werden diese Fragen geklärt sein, absehbar ist auch, dass viele Fans enttäuscht sein werden. Ihnen sei gesagt: Valar Morgulis, alle Menschen müssen sterben. GoT wird uns überleben.