2019-08-24 12:54

Merkel fordert von G7 klare Signale gegen Regenwald-Brände

Die deutsche Kanzlerin gibt vor dem Start des Gipfels Emmanuel Macron recht: «Unser Haus brennt.»

Brandlöscher oder brandstifter? Demonstranten setzen sich vor dem start des G7-gipfels mit Masken der staatsoberhäpter – hier Macron und Merkel – in Szene. Bild: AP

Brandlöscher oder brandstifter? Demonstranten setzen sich vor dem start des G7-gipfels mit Masken der staatsoberhäpter – hier Macron und Merkel – in Szene. Bild: AP

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erwartet vom G7-Gipfel ein klares Signal für einen Stopp der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet in Südamerika. Da könne man nicht schweigen. «Wir werden uns damit beschäftigen, wie wir unterstützen und helfen können und einen klaren Aufruf dazu senden, dass alles getan werden muss, damit der Regenwald aufhört zu brennen», sagte Merkel in einem am Samstag kurz vor ihrer Abreise ins französische Biarritz gesendeten Podcast. Der französische Präsident Emmanuel Macron habe Recht, wenn er sagt: «Unser Haus brennt.»

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. In diesem Jahr nahmen die Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas Medienberichten zufolge um 83 Prozent zu. Insgesamt sollen mehr als 70'000 Brände registriert worden sein. Macron hatte das Thema als Gastgeber des G7-Gipfels kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte das wiederum als Einmischung in innere Angelegenheiten kritisiert.

Neue Ansätze von Macron

Merkel erhofft sich von dem Gipfel auch eine klare Aussage gegen Gewalt gegen Frauen und Impulse für die Zusammenarbeit mit Afrika. «Nur wenn sich Afrika gut entwickelt, wird die Welt insgesamt eine gute Entwicklung nehmen können», sagte sie. Macron hat zusätzlich die Staatschefs fünf afrikanischer Länder zum Gipfel führender westlicher Wirtschaftsmächte nach Biarritz eingeladen: Burkina Faso, Ägypten, Senegal, Ruanda und Südafrika.

Der Kritik, die G7-Gipfel machten ohne Beteiligung von China oder Russland keinen Sinn, trat Merkel entgegen. Die Treffen böten die Möglichkeit «frei und offen über die Themen zu sprechen, die gelöst werden müssen und wo wir vorankommen müssen», sagte die deutsche Kanzlerin. «Miteinander zu sprechen ist allemal besser als übereinander und G7 ist dafür eine hervorragende Möglichkeit.»

Der Gipfel beginnt am Samstagabend und dauert bis Montag. Der G7 gehören neben Deutschland und Frankreich die USA, Grossbritannien, Italien, Kanada und Japan an. Die reichen Industrieländer sind allerdings zerstritten - besonders durch die Alleingänge von US-Präsident Donald Trump. So versucht Frankreichs Präsident Macron, das Treffen mit neuen Ansätzen und Gästen aus Afrika, Australien, Indien und Chile aufzulockern. Erstmals in der 44-jährigen Geschichte des G7-Clubs ist vorher auch nicht geplant, eine Abschlusserklärung auszuhandeln.

Streitbarer Neuling dabei

Das Seebad Biarritz ist weiträumig abgesperrt. Überall patrouillieren Polizisten. Um Krawalle wie beim G-20-Gipfel in Hamburg zu verhindern, sind 13 000 Sicherheitskräfte mobilisiert. Proteste sind geplant, es darf aber nur in Nachbarorten demonstriert werden. Schon am Freitagabend kam es in der Region zu Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten, mit Berichten über Verletzte auf beiden Seiten.

Erstmals ist der britische Premierminister Boris Johnson in der illustren Runde dabei - wie Trump ein ebenfalls schwer berechenbarer Politiker. So wird seine Idee von einem chaotischen Brexit ein Thema, auch wenn es nicht auf der Tagesordnung steht.

red/sda