2018-10-01 14:05

Katalanen blockieren Schnellzug-Gleise in Barcelona

Das verbotene Unabhängigkeitsreferendum jährt sich zum ersten Mal. Demonstranten besetzen Bahngeleise und Strassen in der spanischen Metropole.

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Mit Kundgebungen und Blockaden von Strassen und Gleisen haben Aktivisten in Katalonien an das verbotene Unabhängigkeitsreferendum vor einem Jahr erinnert. Regionalpräsident Quim Torra begrüsste die Aktionen als Mittel, «Druck zu machen».

Rund drei Stunden lang besetzten hunderte vorwiegend vermummte Unabhängigkeitsbefürworter die Hochgeschwindigkeitsgleise im Bahnhof von Girona, wie der Bahnbetreiber Renfe mitteilte. Fernsehsendern zufolge blockierten Demonstranten darüber hinaus in Barcelona und Lleida wichtige Strassen.

Nach Angaben der Behörden waren auch die Autobahn A7 zwischen Barcelona und Valencia und die A2 zwischen Barcelona und Madrid blockiert. Auf dem Gebäude der Regionalregierung in Girona ersetzten Aktivisten zudem die spanische Flagge durch Fahnen der Unabhängigkeitsbefürworter.

Zu den Aktionen hatten die Komitees zur Verteidigung der Unabhängigkeit (CDR) aufgerufen. «Vor einem Jahr riefen wir die Republik aus - schreiten wir zur Tat», erklärten die CDR-Basisgruppen auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter.

Weder vergessen noch vergeben

Im nordkatalanischen Ort Sant Julià de Ramis gedachte auch Regionalpräsident Torra der Volksbefragung vor einem Jahr. «Alles fing am 1. Oktober an und alles geht auf den 1. Oktober zurück», sagte er vor einem weissen Banner mit der Aufschrift «Kein Vergessen, kein Vergeben».

Der jahrelange Streit um die Abspaltung Kataloniens war vor einem Jahr eskaliert. Das von Madrid untersagte Referendum wurde trotz eines massiven Polizeiaufgebots am 1. Oktober abgehalten; es gab ein Ja zur Unabhängigkeit bei allerdings geringer Beteiligung. Bilder des teilweise brutalen Polizeieinsatzes vor den Wahllokalen gingen um die Welt.

Bereits am Samstag war es in Barcelona zu Zusammenstössen zwischen katalanischen Aktivisten und Polizisten gekommen, die mit einer Kundgebung ihren an dem Einsatz gegen das Referendum beteiligten Kollegen Tribut zollen wollten. 24 Menschen wurden verletzt, die Polizei meldete sechs Festnahmen.

Wegen «Rebellion» in Haft

Am 27. Oktober rief das katalanische Parlament einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens aus. Die spanische Zentralregierung unter dem damaligen konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy setzte daraufhin die Regionalregierung ab. Mehrere katalanische Unabhängigkeitsbefürworter wurden unter anderem wegen «Rebellion» inhaftiert, der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont und mehrere seiner Kabinettsmitglieder flohen ins Ausland.

Seit Anfang Juni regieren in Madrid die Sozialisten unter Ministerpräsident Pedro Sánchez. Regierungssprecherin Isabel Celáa sagte, es gebe nichts zu feiern. Das Referendum sei «illegal» gewesen und somit rechtlich ohne Konsequenzen. Den katalanischen Regionalpräsidenten Torra rief sie auf, seine «Sprache zu mässigen». Schliesslich habe ihre Regierung «den Dialog mit den katalanischen Behörden» aufgenommen.

Gleichzeitig bezeichnete Celáa den massiven Polizeieinsatz vor einem Jahr als Fehler. Die Bilder davon hätten «Spaniens Ruf im Ausland ernsthaft geschädigt».

Tief gespalten

Katalonien ist in der Frage der Unabhängigkeit von Spanien tief gespalten. Zwar stimmten 90 Prozent der Teilnehmer an dem illegalen Referendum vor einem Jahr für eine Unabhängigkeit der autonomen Region, doch nahmen nach Angaben der Organisatoren nur 2,3 der 5,5 Millionen Stimmberechtigten teil.

Inzwischen ist auch das Lager der Unabhängigkeitsbefürworter über das weitere Vorgehen gespalten: Radikalere Gruppen wie die CDR oder die ultralinke CUP werfen Torras Regionalregierung eine zu zögerliche Haltung gegenüber Madrid vor.

hvw/AFP