2014-11-27 17:55

Günstigere Skipässe dank billigerem Diesel?

Pistenfahrzeuge könnten von der Mineralölsteuer ausgenommen werden, weil sie keine Strassen benützen. Was der günstigere Treibstoff für Besucher von Skigebieten bedeuten würde.

Vielleicht bald günstiger im Betrieb: Ein Pistenfahrzeug bei der Arbeit im Walliser Skigebiet Grimentz. (8. Dezember 2011)

Vielleicht bald günstiger im Betrieb: Ein Pistenfahrzeug bei der Arbeit im Walliser Skigebiet Grimentz. (8. Dezember 2011)

(Bild: Keystone Jean-Christophe Bott)

Die Schweizer Skigebiete ächzen unter den hohen Betriebskosten. Nun ist Entlastung in Sicht, denn der Treibstoff für Pistenfahrzeuge könnte günstiger werden: Pistenfahrzeuge werden möglicherweise von der Mineralölsteuer ausgenommen. Diese macht, mit 75,87 Rappen pro Liter Diesel, fast die Hälfte des Verkaufspreises aus. Eine entsprechende Motion des Urner CVP-Ständerats Isidor Baumann hat das Parlament 2013 angenommen. Fahrzeuge, die keine Strassen benützen, müssten demzufolge keine Mineralölsteuer bezahlen. Umso mehr, als dies schon heute teils für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge gilt.

Nach Schätzungen des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz (SBS) könnten die Skigebiete pro Jahr rund 8 Millionen Franken einsparen, wenn auf Pistenfahrzeug-Diesel die für die Nationalstrassen reservierten Teile der Mineralölsteuer nicht mehr erhoben würden. Beim Bund spricht man gar von 8 bis 13 Millionen Franken jährlich.

Entscheidende Einsparungen

Falls der Erlass der Mineralölsteuer für alle Pistenfahrzeuge gelten soll, also auch für diejenigen ohne Dieselpartikelfilter, würde laut SBS-Sprecher Andreas Keller ein mittelgrosses Skigebiet von der Grössenordnung Hoch-Ybrig oder Sörenberg grob geschätzt 70'000 Franken pro Jahr einsparen. Grossen Skigebieten wie St. Moritz oder Laax blieben sechsstellige Beträge, kleinen wenige tausend Franken. Würde man die Einsparungen an die Gäste weitergeben, etwa in Form von günstigeren Skipässen? Laut Keller ergäbe dies keinen Sinn: «Mit dem eingesparten Geld könnten Skipässe rein rechnerisch im Bereich von Rappenbruchteilen vergünstigt werden, unabhängig von der Skigebietsgrösse.»

Während für die Gäste kein Geldvorteil herausspringt, bedeutet das zusätzliche Geld den Bergbahnen umso mehr. «Die Entlastung bei der Mineralölsteuer ist für die Bergbahnunternehmen wichtig, weil wir in der Schweiz im Vergleich mit den Mitbewerbern in den anderen Alpenländern mit massiv höheren Kosten kalkulieren müssen, etwa bei den Löhnen oder der Materialbeschaffung.» Keller fügt hinzu, dass die Skipasspreise, verglichen mit den Jahren zuvor, in der Schweiz weniger stark gestiegen seien als etwa in Deutschland oder Österreich.

Ständerat Isidor Baumann, der auch Präsident der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) ist, betont die Wichtigkeit der Einsparungen ebenfalls. Während die Steuerausfälle von 8 bis 13 Millionen Franken für den Strassenverkehr ein «Rundungsbetrag» seien, könnten ein paar tausend eingesparte Franken für eine Bergbahn entscheidend sein. Zum Vergleich: Der Bund hat 2013 gut 5 Milliarden Franken durch die Mineralölsteuer eingenommen; das sind 7,7 Prozent der Bundeseinnahmen.

Hat der Bundesrat die Spielregeln geändert?

Wann und wie die Motion Baumann im Gesetz umgesetzt wird, ist noch unklar. Seilbahnen Schweiz fordert, dass die teilweise Steuerbefreiung spätestens Anfang 2016 in Kraft tritt. «Doch der Bundesrat spricht von einem Zeithorizont 2018 und möchte, dass nur Pistenfahrzeuge mit Dieselpartikelfilter von der Mineralölsteuer befreit werden», so Keller. Dies habe jedoch nicht in der Motion gestanden, als das Parlament sie angenommen habe. Der SBS verlangt, dass die Motion «so umgesetzt wird, wie sie angenommen wurde». Dass während des Spiels die Spielregeln geändert würden, sei ein No-go, betont Keller.

Der Erlass der Mineralölsteuer für bestimmte Nutzer ist umstritten: Während die SAB fordert, dass die politischen Rahmenbedingungen zugunsten des kriselnden alpinen Tourismus ausgestaltet werden, lehnt die Finanzdirektorenkonferenz (FDK) die Gesetzesänderung ab. Nicht nur wegen der Steuerausfälle, sondern auch, weil sie sich «grundsätzlich gegen Ausnahmen und Steuerbefreiungen» ausspricht. Bund und Kantone monieren zudem, dass es bei günstigerem Benzin und Diesel weniger wichtig werde, die Maschinen sparsam einzusetzen.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet