2018-07-24 01:15

Er schlägt zurück

Der Filmemacher George Lucas baut ein Museum. Damit machte er sich zunächst sehr unbeliebt.

George Lucas hat einiges zu zeigen: Das Lucas Museum of Narrative Art soll 2022 in Los Angeles eröffnet werden. Foto: rts

George Lucas hat einiges zu zeigen: Das Lucas Museum of Narrative Art soll 2022 in Los Angeles eröffnet werden. Foto: rts

  • Edgar Schuler 

Noch so ein reicher Kerl, der sich mit einem Museum sein Denkmal setzen will. George Lucas wurde dank seiner «Star Wars»-Filme Multimillionär, mit dem Verkauf seiner Produktionsfirma an Walt Disney vierfacher Milliardär. Aber mit den Plänen, seine Sammlung in einem eigenen Museum unterzubringen, scheiterte er mehrfach – bis er jetzt in Los Angeles den Grundstein für das Lucas Museum of Narrative Art legen konnte. Dass es so lange dauerte, hat einiges mit der Grösse seines Museums zu tun.

Er hat ja einiges zu zeigen. Rund 15'000 Werke umfasst Lucas’ Sammlung. Darunter, natürlich, Entwürfe und Illustrationen für Szenen aus «Star Wars» (und anderen Filmen). Originale von «Peanuts»- und «Garfield»-Comics, Fotografien von René Burri, Buchillustrationen. Und schliesslich auch Kunst, die jedermann als solche erkennt: Renoir, Degas, Ingres. Sowie eine der grössten Sammlungen der Werke von Norman Rockwell. Er wird gerade heute für seine Darstellung einer untergegangenen Heile-Welt-Kleinstadt-USA wieder heiss geliebt.

Eindimensionaler Kunstbegriff

Was man in der Sammlung definitiv nicht findet: zeitgenössische abstrakte Werke. «Für diese Kunst benötigt man eine Gebrauchsanweisung», sagte Lucas der «New York Times». «Das macht in meinen Augen das Wesen der Kunst kaputt.» Also: Nur das, was der grosse Filmerzähler Lucas als «erzählende Kunst» anerkennt, ist für ihn kunstwürdig.

Aber nicht nur wegen dieses – sagen wir: eindimensionalen – Kunstbegriffs stiessen die Museumspläne auf Kritik. Der erste monumentale Entwurf für Lucas’ Heimatstadt San Francisco hätte den ikonischen Blick auf die Golden-Gate-Brücke verstellt. Und das für die «Star Wars»-Erinnerungsstücke eines sentimentalen Milliardärs? Eine Bürgerbewegung formierte sich. Sie bereitete eine Kampagne mit Lucas als finsterem Darth Vader vor. Aber dann schmetterte das zuständige Gremium den Vorschlag ab. «Sie hassen mich», stellte Lucas fest.

Die Zeit wurde knapp

Nicht besser erging es ihm in Chicago, der Heimatstadt seiner Frau Mellody Hobson, einer Investmentbankerin. Trotz bester Verbindungen – der Bürgermeister ist ein Freund der beiden – scheiterte das Unternehmen auch hier am lokalen Widerstand. Das alles dauerte Jahre. Die Zeit wurde knapp. Lucas ist 74 Jahre alt und will sein Museum noch gebaut sehen. 

Lucas musste dazulernen. Schnell. Er stellte einen erfahrenen Ausstellungsmacher an. Don Bacigalupi, der schon anderen reichen Leuten aus ähnlichen Situationen geholfen hatte, erarbeitete ein Konzept für das Museum. Er stellte die Kunsterziehung in den Mittelpunkt. Damit konnte Lucas endlich den Vorwurf entkräften, es handle sich bei dem Museum nur um die Selbstinszenierung eines Milliardärs. In Los Angeles wurde ein Stück Land gefunden, dessen Überbauung nicht den Zorn einer Bürgerbewegung heraufbeschwor. Und mit Ma Yansong ein Architekt, dessen futuristischer Entwurf (er erinnert an eine intergalaktische Wolke) die Behörden entzückt. 

Nicht in seiner Heimatstadt, aber auch nicht in einer weit, weit entfernten Galaxie wird George Lucas’ Wunsch nun Wirklichkeit. 2022 soll Eröffnung sein.