2018-06-04 13:24

«Die meisten Hauseigentümer sind wie Daniel Leupi»

Der Zürcher Stadtrat Leupi begründet die Miete seiner Wohnung mit Mehrkosten beim Umbau. Das könne passieren, sagen Experten. Dennoch sei die Miete «am obersten Rand».

Mit bis zu zehn Prozent Mehrkosten muss man beim Umbauen rechnen: Baustelle in Zürich.

Mit bis zu zehn Prozent Mehrkosten muss man beim Umbauen rechnen: Baustelle in Zürich.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Die Zürcher Grünen schimpften auch schon gegen «Immo-Haie» und deren «Abzocker-Mieten». Nun hat der «SonntagsBlick» aufgedeckt, dass ihr Stadtrat Daniel Leupi eine Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung in Wollishofen mit 157 Quadratmetern für gut 5000 Franken vermietet.

Laut Immobilienexperten bewegt sich dieser Preis in Wollishofen «am obersten Rand». Das zeigt auch ein Blick auf Online-Immobilienplattformen. Die meisten anderen Wohnungen, die sich von der Grösse und vom Preis her mit jener von Daniel Leupi vergleichen lassen, liegen in repräsentativeren Quartieren als Wollishofen und werden in den Inseraten als «herrschaftlich» oder «luxuriös» angepriesen. Zum Beispiel ein 145 Quadratmeter grosses Fünfeinhalb-Zimmer-Apartment, es befindet sich im ersten Stock einer frisch renovierten Jugendstilvilla, die an bester Lage am Zürichberg steht. Preis pro Monat: 5350 Franken.

Beim Umbau kann alles schiefgehen

Daniel Leupi rechtfertigte den Mietzins am Mittwochabend vor dem Gemeinderat: Er mache keinen übermässigen Gewinn. Vielmehr sei es beim Umbau zu «massiven Kostenüberschreitungen» gekommen. Diese müsse er mit der Miete ausgleichen. Um wie viel das Umbau-Budget gedehnt wurde und warum, sagte Leupi nicht.

Gemäss Politikern, die Daniel Leupi kennen, habe dieser immer wieder über Verzögerungen bei der Renovation seines Hauses geklagt, diese habe viel zu lange gedauert.

Baukenner halten Leupis Erklärung grundsätzlich für plausibel. Bei einem Umbau könne sehr vieles schiefgehen, sagt Albert Leiser, FDP-Gemeinderat und Direktor des städtischen Hauseigentümerverbandes. «Grosse Abweichungen treffen vor allem Privateigentümer, die wenig Erfahrung haben mit solchen Projekten.»


Leupis Luxuswohnung vs. Mauchs FamilienhausDie Stadträte Leupi, Mauch und Leutenegger besitzen Wohnungen in der Stadt – wie sie sich als Vermieter machen. (Abo+)


Mit zehn Prozent plus oder minus müsse man bei Sanierungen immer rechnen, sagt Markus Hungerbühler, Geschäftsleiter beim Baumeisterverband Zürich/Schaffhausen und ehemaliger CVP-Gemeinderat. Zu «massiven Kostenüberschreitungen» komme es aber eher selten. Grund dafür seien entweder eine ungenaue Planung oder ein unentschlossener Bauherr, der ständig neue Wünsche anmelde und sich immer wieder umentscheide.

Albert Leiser nennt weitere «Tretminen», die bei einer Sanierung auftauchen können. Während der Arbeiten stelle sich heraus, dass sich die Bausubstanz – Stromleitungen oder Kanalisation zum Beispiel – in einem viel schlechteren Zustand befindet als angenommen. In der Stadt Zürich kämen viele Auflagen dazu, mit denen Amateure nicht rechneten, es gehe um Lärmschutz, Denkmalschutz, Ökologie. «Gemeinsam läppert sich das.» Auch eine Sanierung in Übereinstimmung mit der 2000-Watt-Gesellschaft könne teurer kommen, als viele meinten.

Laut Leiser lassen sich Überschreitungen mit einer präzisen Planung vermeiden. Zusätzlich sollten sich die Eigentümer im Vorfeld über die beteiligten Unternehmen informieren. «Das verhindert böse Überraschungen.»

Die Frage: Wie hoch ist die Rendite?

Die von Daniel Leupi verlangte Miete dünke ihn trotz allem hoch, sagt Albert Leiser. «Ich bin nicht sicher, ob er vor dem Mietgericht durchkommen würde, wenn ein Mieter den Zins anfechten würde.» In der Schweiz schränkt das Gesetz die maximale Netto-Rendite ein. Sie darf höchstens 0,5 Prozent höher liegen als der Referenzzinssatz, momentan also nicht mehr als 2 Prozent betragen. Bei einer Miete von 5000 Franken und den tiefen Zinsen habe man diese Grenze schnell überschritten, sagt Albert Leiser. Der Hauseigentümerverband kämpft auf nationaler Ebene für eine Erhöhung der Maximal-Rendite.

Leiser sagt, dass er sich von den Grünen mehr Verständnis und Unterstützung für die Hauseigentümer wünschte: «Die meisten von ihnen sind wie Daniel Leupi: weder Bösewichte noch Abzocker.»

Von den angefragten linken Politikern will Leupi niemand direkt einen Vorwurf machen. Man müsse Politiker an ihrer politischen Arbeit messen, heisst es, und nicht an einem möglichst kongruenten Privatleben. Stellte man zu hohe moralische Ansprüche, könnte man fast alle Politikerinnen endlos kritisieren.