2017-05-07 17:48

Vom «Blick» beleidigt, vom Fussball-Europameister gefeiert

Die Kolumne eines Eishockeyreporters verärgert die Squashszene. Dafür gibts prominente Fürsprache für den Sport mit dem kleinen Gummiball.

«So stark, so schnell, so clever»: Für Marco van Basten sind Squashprofis wie Ali Farag grossartige Athleten. (Bild: Michèle Bollhalder)

«So stark, so schnell, so clever»: Für Marco van Basten sind Squashprofis wie Ali Farag grossartige Athleten. (Bild: Michèle Bollhalder)

«Sinnlose Gummiballflegelei mit Teppichklopfern» sei Squash, schrieb «Blick»-Eishockeyreporter Dino Kessler diese Woche in seiner Kolumne, in der es eigentlich um den neuen ZSC-Sportchef Sven Leuenberger ging. Der Sport, den unter anderem Roger Federer gerne im Olympiaprogramm sehen würde, diente dem Schreiber als Sinnbild für Skurrilität. Die Inspiration für den Beitrag holte er sich beim Gang durch die Giessereihalle im Kreis 5, wo die Squash-Weltelite anlässlich des GC-Cups zu Gast ist.

Turnierdirektor Steve Buchli, ein renommierter Zürcher Anwalt, fand die «Blick»-Kolumne verständlicherweise gar nicht witzig und lud den früheren Eishockey-Nationalspieler Kessler an seinen Event ein, um ihm zu zeigen, dass er ein falsches Bild vom Squash hat. Die Einladung sei jedoch nicht bei ihm angekommen, sagt Kessler.

50 Schläge für einen Punkt

Wäre er an den GC-Cup gekommen, hätte er einiges zu sehen bekommen. Squash auf Weltklasseniveau ist vor allem live enorm beeindruckend. Die Spieler, die ebenso schnellkräftig wie ausdauernd und beweglich sein müssen, liefern sich Ballwechsel von gerne einmal vier Minuten Dauer – gespickt mit allerlei Verrenkungen bis zum Spagat. Der Puls schnellt dabei regelmässig über die Marke von 200 Schlägen pro Minute. Nicht umsonst gilt Squash als eine der härtesten Sportarten überhaupt.

Am Samstag gab es im Halbfinal zwischen dem Franzosen Grégory Gaultier und dem Ägypter Tarek Momen einen Punkt mit sagenhaften 50 Schlägen. Wer selber schon einmal Squash gespielt hat, kann sich vorstellen, welche physische Belastung das bedeutet.

Van Bastens Bewunderung

Der prominente GC-Cup-Gast Marco van Basten, 1988 mit Holland Fussball-Europameister und ein begeisterter Hobbysquasher, sagt: «Was diese Spieler leisten, ist unglaublich. Sie sind so stark, so schnell, so clever.» Ihm gefalle die Kombination von strategischen Fähigkeiten wie beim Schach und höchsten physischen Anforderungen wie beim Boxen ungemein. Für den «Blick»-Kolumnisten aber sind Squashcourts «alberne Glaskübel».

Im Final treffen heute Nachmittag der Weltranglistendritte Gaultier und Ali Farag, die Nummer 8 des Rankings, aufeinander. Der Ägypter Farag, der schon mit 22 ein Maschinenbaustudium an der Eliteuniversität Harvard abgeschlossen hatte, liess in seinem Halbfinal dem dreifachen Weltmeister Nick Matthew aus Grossbritannien keine Chance.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet