2019-06-21 14:07

Dietikon stellt per sofort den Polizeichef frei

Rolf Wohlgemuth ist 16 Jahre lang im Dienst der Stadtpolizei gewesen. Erwartete Veränderungen konnte er nicht einleiten.

Abruptes Ende nach 16 Jahren Dienst: Rolf Wohlgemuth. (Bild: 20 Minuten)

Abruptes Ende nach 16 Jahren Dienst: Rolf Wohlgemuth. (Bild: 20 Minuten)

Bei dieser Meldung läuten die Alarmglocken: Der Polizeichef von Dietikon wird freigestellt. Per sofort. Nach 16 Jahren Tätigkeit in der Limmattaler Stadt. Von «unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen über die Führung» ist in der Mitteilung von heute Freitag die Rede. Diese habe eine weitere Zusammenarbeit «verunmöglicht».

Stadtrat Heinz Illi (EVP) redet nicht lange um den heissen Brei herum, räumt aber vorweg eine erste Vermutung aus. «Die Entlassung hat keinen strafrechtlichen Hintergrund.» Er, seit 2006 im Amt, habe Rolf Wohlgemuth immer als einen «ehrlichen und gradliniger» Menschen erlebt. Grund für diesen harten Schnitt seien tatsächlich unüberwindbare Differenzen in der Art der Führung.

Auf die Leute zugehen

Konkret will Dietikon ihre Polizei vermehrt auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen ausrichten. Gesundheits- und Sicherheitsvorsteher Illi sagt: «Die polizeilichen Aufgaben werden in der 24-Stunden-Gesellschaft immer komplexer.» Er spricht von Motorengeheul, das es in Schach zu halten gelte, weil sich die Bevölkerung gestört fühle. Von Böötlern, die man abends auf der Wiese im Wohngebiet auf die schlafenden Nachbarn hinweisen müsse. Illi sagt: «Wir erwarten, dass die Polizei da Leitplanken setzt, aktiv auf die Leute zugeht und Probleme anspricht.» So, wie es bei einer jüngeren Polizeigeneration bereits selbstverständlich sei. Rolf Wohlgemuth habe man diese Absicht in mehreren Gesprächen nahegelegt, sagt Illi. Zur erwarteten Entwicklung sei es aber leider nicht gekommen. «Deshalb mussten wir diesen Entscheid treffen», sagt Illi.

Derzeit steht das Korps von 15 Mitarbeitern unter der Leitung der beiden Gruppenchefs Patrik Marty und Patrick Tommer. Für Illi sind es Leute, die an dieser Art Polizeiarbeit Freude haben und «ein bisschen darauf brennen». Die Stelle des Polizeichefs wird in den nächsten Tagen neu ausgeschrieben.

Neue Ratskultur

Tatsache ist aber, dass in Dietikon seit dem Amtsantritt des neuen Stadtpräsidenten Roger Bachmann (SVP) und der neuen Zusammensetzung des siebenköpfigen Rates im vergangenen Jahr einiges im Umbruch ist. Zwei CVPler, und je ein Vertreter von EVP, FDP, Grünen, SP und SVP bilden das reine Männer-Gremium. Illi sagt: «Weil es keine klaren Mehrheitsverhältnisse mehr gibt, gibt es keine Grabenkämpfe zwischen den Polen mehr. So können wir uns auf das Problemlösen konzentrieren.» Ein zusätzliches Plus: Alle Behördenmitglieder kennen die Stadt bestens, weil sie da gross geworden sind.

Wohlgemuth wird sich nach der Freistellung beruflich neu orientieren.