2018-11-20 00:05

Die mysteriöse Q-Welle überrollt die Schweiz

Die einen wittern Betrug, andere das nächste grosse Ding. Sicher ist: Der Hype um eine neue Internetwährung hat die Schweiz erreicht.

Das nächste Bitcoin? Bilder der Anbieter-Webseite. Foto: PD

Das nächste Bitcoin? Bilder der Anbieter-Webseite. Foto: PD

Plötzlich prasselten die Einladungen für das Smartphone ein. Sie kamen als Whatsapp-Nachricht, SMS oder Tweet. «Ex-Paypal-Leute bauen eine neue Währung auf, die vielleicht einmal viel Geld wert sein wird! Sichere dir mit meiner Einladung schon jetzt kostenlos etwas davon!» Dahinter steckt die bislang unbekannte Währung Initiative Q.

Ihr Anspruch ist alles andere als bescheiden: Es soll das Zahlungssystem der Zukunft werden. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, noch besteht das Projekt nur auf dem Papier. Eigentlich noch nicht einmal das. Denn ein Whitepaper, ein Grundlagenkonzept für Internetwährungen, gibt es noch nicht.

Nur auf Einladung

Wer aber heute schon mitmacht, hat die Chance, reichlich Qs zu erhalten, lockt das Unternehmen. Q soll die neue Währung heissen. Nach Zählerstand auf der Internetsite von Initiative Q sollen Teilnehmer, die sich jetzt anmelden, Anspruch auf Q im Wert von rund 19’000 Dollar haben.

Die Zahl sinkt rasant. Je mehr Personen teilnehmen, um so kleiner wird die Auszahlung. Und trotzdem lohnt es sich, Mitglieder zu werben. Denn wer sich registriert, kann fünf Einladungslinks verschicken, mit denen er Freunde einladen kann. Machen diese mit, erhält man mehr Q als Startkapital. Die Nutzer haben also ein Interesse daran, selber Mitglieder zu werben. «Verpass nicht das nächste Bitcoin und nutze die Chance, reich zu werden», schreiben Initiative-Q-Nutzer in den sozialen Medien. Sie versprechen dort «Gratis Geld ohne Risiko».

Laut dem Internetportal Vox.com sollen die Gründer des Bezahldiensts zu Beginn 2000 Bekannte eingeladen haben. Danach verbreitete sich der Einladungs-Link wie ein Virus. Vier Millionen sollen sich bislang auf der Internetsite angemeldet haben. Mit der grossen Verbreitung will die Firma das Problem aller neuen Währungen lösen: Es braucht nicht nur Bezahlmitteldaten, sondern auch ein Gegenüber, das sie akzeptiert.

Das Unternehmen verspricht, mit den Nutzerdaten vertraulich umzugehen. Ob sich die Firma daran hält, lässt sich kaum kontrollieren.

Offen ist, wie viele Mitglieder Initiative Q erreichen will, bevor es tatsächlich losgeht. Sicher scheint: Steigt die Zahl weiter so rasant, dürfte im nächsten Jahr mit der Entwicklung begonnen werden, sonst machen sich die Initianten unglaubwürdig. 2020 würde die Währung in den ersten Märkten wie den USA und Brasilien lanciert. Dazu soll die Schweiz offenbar nicht gehören, schreibt Vox.com. Auf eine Anfrage dazu reagierte Initiative Q nicht.

Kein neuer Bitcoin

Hinter Initiative Q steht der israelische Unternehmer Saar Wilf und der Geldtheoretiker Lawrence H. White. Wilf machte sich mit der IT-Sicherheitsfirma Fraud Science einen Namen, die er 2008 an den Bezahldienst Paypal verkaufte. Beim Internetriesen blieb er aber nur kurz, bald schon kümmerte er sich wieder um seine eigenen Vorhaben. Wissenschaftler White ist nicht am Projekt beteiligt, hat aber das zugrunde liegende Modell mitentwickelt.White gilt als profunder Kritiker des Zentralbankensystems und vertritt die Ansicht, dass es ein Vorteil sei, wenn mehrere private Währungen im Wettbewerb stehen.

Initiative Q will aber keine neue Kryptowährung wie der Bitcoin sein. Wilf und seine Kollegen halten wenig von deren Konzept. Kryptowährungen seien eine brillante Lösung für ein Problem, das es nicht gibt. Doch seien Bitcoin und Co. zu wenig stabil, zu wenig verlässlich und ihr Energieverbrauch sei zu hoch.

Die Teilnahme an Wilfs neustem Projekt soll ohne Risiko sein. Denn wer sich für die neue Währung interessiert, muss nur seinen Namen und seine E-Mail-Adresse angeben. Anteile kann man noch nicht erwerben. Ein finanzieller Verlust droht daher nicht. Und doch gibt es bereits kritische Stimmen, die vor Initiative Q warnen. Es handle sich um ein Pyramidensystem, also mit den Einzahlungen der neusten Kunden, werden die Gewinne der bestehenden Mitglieder bezahlt. Initiative Q widerspricht. Weil kein Geld einbezahlt werde, könne dieses nicht verteilt werden.Das Unternehmen verspricht zudem, mit den Nutzerdaten vertraulich umzugehen. Ob sich die Firma daran hält, lässt sich kaum kontrollieren. Wie so vieles rund um Initiative Q.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet