2019-06-26 15:35

Dieser Marathon-Mann stiehlt Federer die Show

Nicht nur der Baselbieter kann mit 37 Jahren Turniere gewinnen. Feliciano Lopez schaffte das am Sonntag sogar zweimal.

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  • Marco Keller

Feliciano Lopez wird am Montag eines ganz gewiss nicht tun: Tennis spielen. Der Spanier hat sein Wochenpensum in den letzten Tagen beim Rasenturnier im Londoner Queens Club schon vorgeholt. Wegen Regens war das Programm beim Wimbledon-Vorbereitungsturnier gehörig durcheinander gewirbelt worden, und wer Einzel und Doppel spielte, und dies noch erfolgreich, der kam praktisch nicht mehr vom Platz.

Als Nummer 113 der Welt schien Lopez zumindest im Einzel kein valabler Kandidat für die Schlussrunden, die meisten Experten interessierten sich ohnehin mehr für seine Leistung im Doppel, wo er mit Andy Murray zusammenspannte. Für den Schotten war es das erste Turnier, nachdem er sich eine künstliche Hüfte hatte einsetzen lassen.

9,5 Stunden in zwei Tagen

Doch Lopez, der schon länger an seiner zweiten Karriere arbeitet und im Nebenamt Turnierdirektor des Masters 1000 von Madrid ist, strafte die Prognostiker Lügen. Am Samstag besiegte er zuerst im Einzel-Halbfinal in drei Sätzen im Generationenduell den 18-jährigen Kanadier Felix Auger-Aliassime, jene Junghoffnung, dem er vor einigen Wochen eine Wild Card für die Caja Magica gegeben hatte. Danach beendete er an der Seite von Andy Murray den Doppel-Viertelfinal, der am Freitag beim Stande von 6:4, 4:5 vertagt worden war. Direkt danach zogen Lopez/Murray in den Final ein, im Champions-Tiebreak auf zehn Punkte, das den dritten Satz ersetzt.

Doch damit nicht genug: Auf den Linkshänder, der aus den Top 100 gefallen ist und nur mittels Wild Card ins Haupttableau aufgenommen wurde, wartete am Sonntag erneut ein doppeltes «pièce de résistance»: Zuerst gewann er den Einzelfinal gegen Gilles Simon nach drei Sätzen und fast drei Stunden, danach vollendete er an der Seite von Murray das erste Queens-Double seit Mark Philippoussis, natürlich auch wieder im Champions-Tiebreak. Sein Arbeitsprotokoll: rund neuneinhalb Stunden Tennis; Aufwärmen, Stretching, Auslaufen und Medientermine nicht eingerechnet.

Eine, die sich wohl gewünscht hätte, dass diese Woche niemals endet, ist Judy Murray. Die Mutter von Andy machte nie einen Hehl um die ästhetischen Vorzüge des Spaniers, und nannte ihn einst «Deliciano». Schon am Samstag liess sie keinen Zweifel daran offen, dass sich daran nichts geändert hat. Auf Twitter liess sie Lopez hochleben.

Und als am Sonntag der Familientrophäenschrank weiteren Zuwachs erhielt, wurde dies von der gestrengen Tennispädagogin ebenfalls wohlwollend kommentiert.