2012-10-09 08:13

Das macht die Zürcher Schulhäuser teurer

Eine Studie vergleicht Schulbauten aus der Stadt mit solchen anderer Gemeinden. Dabei zeigt sich: Nicht nur der gestiegene Raumbedarf und ökologische Standards treiben die Kosten in die Höhe.

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  • Georg Gindely

Die Stadt Zürich lässt sich ihre Schulhäuser zum Teil deutlich mehr kosten als andere Gemeinden. Das zeigt eine Untersuchung des Ingenieurbüros Basler & Hofmann, die Stadtrat André Odermatt (SP) in Auftrag gegeben und letzte Woche vorgestellt hat. Die Studie listet die Baukosten von sechs städtischen Neubauten sowie sechs Schulhäusern anderer Gemeinden auf.

Ein Vergleich der Gesamtkosten ist laut der Studie kaum möglich. So werden die Aufwendungen für Grundstück, Wettbewerb oder Altlastensanierung je nach Bauherr völlig unterschiedlich ausgewiesen. Verglichen wurden deshalb nur die Baukosten für das Gebäude.

Schwieriger Vergleich

Vergleiche schwierig macht auch die Verschiedenheit der Schulhäuser. Nicht alle haben eine Turnhalle oder einen Hort. Um die Zahlen dennoch nebeneinanderstellen zu können, operiert die Studie mit einem eigens geschaffenen rechnerischen Wert, der sogenannten Einheit Klasse: Sie zeigt auf, wie viele Primarschulklassen in einem Schulhaus Platz hätten, wenn man die Fläche der Horte und Lehrerzimmer einrechnet. Hat das Gebäude keine Turnhalle, wird ein bestimmter Wert abgezogen.

Am besten vergleichbar sind demnach die Baukosten pro Einheit Klasse (in der nebenstehenden Grafik als Balken abgebildet). Bei den städtischen Schulhäusern Hardau, Leutschenbach, Albisriederplatz und Im Birch liegen sie am höchsten: zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken pro Einheit Klasse. Auch das geplante Schulhaus Blumenfeld wird in diese Kategorie fallen. Zu den hohen Kosten führen folgende Faktoren:

  • Der Raumbedarf ist stark gestiegen. Dazu beigetragen haben Anpassungen von Richtlinien in den Jahren 2003 (in der Stadt) und 2009 (im ganzen Kanton). Diese verteuerten die Bauten im Durchschnitt um 14 respektive 22 Prozent.
  • Viele neue Schulhäuser verfügen über ein Minergie-Label. Dies sorgt für 5 bis 16 Prozent Mehrkosten gegenüber herkömmlichen Bauten.
  • Die meisten neuen Zürcher Schulhäuser bestehen aus viel Glas. Das ist teuer: Laut der Studie führt ein mittlerer Verglasungsanteil zu 15 Prozent, ein hoher Anteil zu 25 Prozent Mehrkosten. Diese Zahlen sind unter Experten umstritten.
  • Die Sicherheitskosten sind in der Stadt höher als ausserhalb.
  • Je mehr Geschosse ein Gebäude hat, desto teurer ist es, unter anderem wegen des aufwendigeren Brandschutzes. In der Stadt sind die Schulhäuser oft hoch, weil die Grundstücke klein sind. Das Schulhaus Leutschenbach hat sechs Geschosse, Albisriederplatz und Im Birch haben vier. Fast alle ausserstädtischen Schulbauten sind zweistöckig.

Dass Zürich auch günstig bauen kann, zeigt die Schule Am Wasser. Sie wurde nach den Richtlinien 1999 erstellt, verfügt über kein Minergie-Label und hat nur zwei Geschosse. Der Verglasungsanteil liegt tief. Genauso wie die Baukosten pro Klasse: Das Am Wasser ist das günstigste aller untersuchten Schulhäuser.

Tages-Anzeiger