2017-08-19 14:01

Moderne Quartierbeiz für Wiedikon

Mehr als Tatar: Die Hopfenau bietet herzlichen Service und eine Küche mit Liebe zum Detail.

Grob geschnitten und aus bestem Fleisch: So macht ein Rindstatar Freude.

Grob geschnitten und aus bestem Fleisch: So macht ein Rindstatar Freude.

25 Zutaten kommen in die Sauce des grob geschnittenen Tatars (36.50 Fr.) aus knochengereifter Rindshuft. Obendrauf gibts noch Frühlingszwiebeln und Kapern sowie geröstetes Brot und Bergbutter aus dem Jura. Kein Wunder also, ist dieser mit viel Liebe zum Detail zubereitete Klassiker der Renner in der sym­pathischen Beiz zwischen Schmiede Wiedikon und Manesseplatz.

Doch man tut der Küche von George Ruis keine Gerechtigkeit, wenn man nur vom Tatar berichtet. Der langjährige Hopfenau-Chefkoch, der das Lokal nach einer Auszeit zusammen mit dem aus dem George bekannten Gastgeber Caspar Grob übernahm, hat eine kleine, aber fantasievolle Karte zusammengestellt.

Unter den vier Vorspeisen und zwei Suppen entscheiden wir uns für die Gurken-Avocado-Kaltschale mit Flusskrebsen, Sauerrahm und Kräutern (13.50 Fr.) sowie den gemischten Blattsalat (12.50 Fr.) mit Hausdressing und sogenannter Fummelkiste. Die entpuppt sich als hölzernes Behältnis, das mehrere Schälchen mit knusprigen Speckwürfeli, Kernen, Ziegenfrischkäse und Croûtons enthält. Auch das Dressing ist ge­lungen, obwohl es für unseren Geschmack einen Tick zu süss schmeckt. Die Kaltschale bekommt die volle Punktzahl; sie ist erfrischend und entgegen unseren Befürchtungen trotz der Avocado überhaupt nicht mastig.

Die Dessert: klein und günstig

Der Star der nächsten Runde ist der köst­liche, schlotzige Eierschwämmli-Risotto. Er wird nebst einer mit grillierten Zucchetti gefüllten Kalbsroulade (42.50 Fr.) im tiefen Teller serviert. Kleiner Kritikpunkt bei diesem Gericht: Der an sich gute Portweinjus läuft in den eben noch viel besseren Risotto und beeinflusst dessen Geschmack leider ziemlich fest.

Eierschwämmli spielen auch im einzigen vegetarischen der fünf angebotenen Hauptgänge (29.50 Fr.) eine Rolle. Von knusprigem Rosmarin-Backteig umgeben, liegen sie auf leuchtend grünem und sehr schmackhaftem Erbsenpüree, um das wiederum eine optisch und geschmacklich ansprechende Orangensauce gegossen ist. Die Lammfilets mit Pfefferminz-Feta-Pesto auf angeräuchertem Melonen-Carpaccio mit Gurkenwürfeln (36.50 Fr.) und die Forelle mit Mandelkruste und Kartoffel-Cherrytomaten-Ragout (35.50 Fr.) hätten uns ebenfalls gereizt.

Kleine Weinkarte mit Entdeckungen

Die Desserts sind absichtlich zurückhaltend portioniert und mit 6 Franken auch preislich leichtgewichtig. Die Crème brûlée mit exzellentem Krüstchen und Lavendel aus dem Garten von Caspar Grob können wir wärmstens empfehlen. Den häufigen Fehler, so viel Lavendel beizu­geben, bis alles nach Aromadampfbad schmeckt, macht der Koch zum Glück nicht.

Auf der Weinkarte finden sich trotz übersichtlicher Grösse ein paar interessante Positionen, zum Beispiel der Sauvignon blanc 2015 vom Höcklistein (61 Fr./7-dl-Flasche) oder der Gemischte Satz 2016 von Jutta Ambrositsch aus Wien (65 Fr.), der seinem Namen «Ein Liter Wein» entsprechend 3 dl mehr enthält als eine herkömmliche Flasche.

Hopfenau
Hopfenstrasse 19
8045 Zürich
www.hopfenau.ch

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