2019-03-28 16:03

Zürich soll ein Zeichen für LGBT-Menschen setzen

Gemeinderäte fordern farbige Zebrastreifen und schwule Ampelmännchen während des Zurich Pride Festival. Der SVP geht die Idee zu wenig weit.

In diesem Jahr soll die Stadt die Verkehrssignalisation während und entlang der Zurich Pride anpassen. Das Festival findet am 15. Juni statt. Foto: Urs Jaudas

In diesem Jahr soll die Stadt die Verkehrssignalisation während und entlang der Zurich Pride anpassen. Das Festival findet am 15. Juni statt. Foto: Urs Jaudas

Dieses Jahr jährt sich der Stonewall-Aufstand zum 50. Mal. Homo- und Transsexuelle hatten sich im Juni 1969 in New York heftig gegen schikanöse Polizeikontrollen gewehrt. Nach den Strassenschlachten rund um die Bar Stonewall Inn an der Christopher Street gab es Demonstrationen auf der ganzen Welt. Seit 25 Jahren wird dieses Ereignisses mit dem Zurich Pride Festival gedacht. Dieses Jahr findet die Demonstration für Gleichberechtigung für Menschen aller sexuellen Orientierungen am 15. Juni statt.

Diesen Anlass will eine grosse Mehrheit des Gemeinderats zum Anlass nehmen, in diesem Sommer ein Zeichen für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen (LGBT) zu setzen. Wie das Zeichen genau aussehen könnte, soll der Stadtrat prüfen, wie ein gestern überwiesenes Postulat von Alan David Sangines und Simone Brander (beide SP) fordert: etwa regenbogenfarbene Zebrastreifen, spezielle Ampelmännchen oder ein in Regenbogenfarben gehülltes Stadthaus.

Augenzwinkernde Reverenzen an Homosexuelle gibt es in aller Welt. Video:Tamedia/AFP/Youtube

Lesbische Ampelfrauen in diversen Städten

Die Idee dafür ist nicht neu. So gibt es in Köln, Paris oder London bereits entsprechende Zebrastreifen. Schwule Ampelmännchen oder lesbische Ampelfrauen gibt es in Wien seit 2015. Sie wurden anlässlich des Eurovision Song Contest installiert und sollen für die Weltoffenheit der Stadt stehen.

Die Ampelmännchen – also Ampelfrauen – von Wien. Foto: Keystone

Den Postulanten ist es sogar gelungen, einen Teil der Bürgerlichen für ihre Idee zu begeistern. Damit die FDP mitmachte, bedurfte es aber einer Abschwächung der Forderung: So soll die Verkehrssignalisation nur während und entlang der Zurich Pride angepasst werden. Die Forderung eine Beibehaltung des Zebrastreifens auch nach der Pride zu prüfen, blieb jedoch im Vorstoss – nötigenfalls auch ausserhalb des Strassenverkehrs.

SVP schlägt regenbogenfarbenes Stadthaus vor

Die Idee, das Stadthaus in Farben zu hüllen, brachte gestern gar ein überraschend aufgeschlossener Roger Bartholdi (SVP) in der Debatte auf. Ihm gingen die im Postulat vorgeschlagenen Zeichen für die LGBT-Demo-Jubiläen gar zu wenig weit. Zürich müsse doch kreativer sein, als einfach Ideen von anderen Städten abzukupfern.

«Ein solches Kopieren ist diesem Anlass doch nicht würdig», sagte Bartholdi. Obwohl der Vorschlag, das Stadthaus in Regenbogenfarben zu hüllen, in den Postulatstext aufgenommen wurde, stellte sich die SVP dann doch dagegen. Sie war dagegen, dass die Strassenverkehrssignalisation verändert wird – auch wenn es nur für einen Tag ist.