2011-04-07 12:02

Warum man sich jetzt leicht einen Sonnenbrand holt

Viele haben sich am Wochenende einen Sonnenbrand geholt. Mit ein Grund dafür könnte das Ozonloch über der Arktis sein, welches eine Rekordgrösse erreicht. Für den April ist daher Vorsicht geboten.

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Am Montag, nach dem wunderschönen Wochenende mit viel Sonnenschein, konnte man oft hören: «Ich habe mich verbrannt, dabei war ich gar nicht so lange an der Sonne.» Auch auf der Redaktion von Tagesanzeiger.ch/Newsnet klagten Mitarbeiter über gerötete Hautstellen. Schuld daran könnte das Ozonloch sein. Dieses hat nämlich über der Arktis eine Rekordgrösse erreicht. Das könnte bei bestimmten Wetterbedingungen zu mehr Sonnenbränden in Europa führen.

Das Ozonloch über der Arktis könne in den nächsten Wochen auch über Mitteleuropa driften und sich sogar bis zum Mittelmeer erstrecken, sagte der Atmosphärenphysiker Markus Rex vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Den Beobachtungen einer internationalen Forschergruppe zufolge hat das Ozonloch im Norden Europas bereits Südskandinavien erreicht. Eine intakte Ozonschicht schirmt die Erde von ultravioletten Strahlen ab, die Sonnenbrand verursachen und Hautkrebs auslösen können.

Schuld ist der kalte Winter

Die Zerstörung der Ozonschicht über der Arktis ist nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) in diesem Frühjahr so gross wie noch nie. Schuld daran seien Schadstoffe und ein sehr kalter Winter in der Stratosphäre, teilte die WMO in Genf mit.

Messungen hätten ergeben, dass die Ozonmenge über der Arktis von Ende des Winters bis Ende März um etwa 40 Prozent zurückgegangen sei, heisst es in der Mitteilung der UNO-Organisation. Eine solch grosse Zerstörung der Ozonschicht habe es über der Arktis noch nie gegeben, schreibt die WMO. Man habe aber mit ihr gerechnet, weil ein sehr kalter Winter in der Stratosphäre – der Schicht auf 15 bis 50 Kilometern über der Erdoberfläche – prognostiziert worden war.

Innert wenigen Minuten Sonnenbrand

Nach AWI-Angaben haben sich die ozonarmen Luftschichten in der vergangenen Woche etwa vom Nordpol bis nach Südskandinavien erstreckt. Dies habe dort an sonnigen Tagen zu erhöhter ultravioletter Strahlung geführt.

In den kommenden Tagen seien Teile Russlands betroffen. Aktuell bewege sich das Loch von Südskandinavien ostwärts in Richtung Russland, könne aber in den nächsten Tagen auch Richtung Mitteleuropa driften und sogar den Mittelmeerraum erreichen.

Innert Minuten die Haut verbrannt

Die unter dem Ozonloch zu erwartende UV-Strahlung entspreche in etwa der normalen Belastung im Hochsommer, sagte Rex. «Das Problem ist, dass die meisten Menschen so früh im Jahr noch nicht mit einem schnell auftretenden Sonnenbrand rechnen.» Empfindliche Menschen könnten binnen weniger Minuten Sonnenbrand bekommen.

Auslöser für das Schwinden der Ozon-Schicht sind Abbauprodukte von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die sich in Verbindung mit grosser Kälte zu ozonzerstörenden Substanzen entwickeln. FCKW sind seit mehr als 20 Jahren weltweit verboten. Der Abbau der als Treibgas und Kühlmittel eingesetzten Chemikalien in der Atmosphäre dauert allerdings Jahrzehnte.

bru/sda