2019-10-04 14:44

Fan-Fahnen mit christlichen Symbolen sorgen für Zoff

In Istanbul sollen Polizisten Gladbach-Anhängern die Fahnen abgenommen haben, der Sportchef schimpft: «Polizeidiktatur». Die Sache hat ein Nachspiel.

«Respektloser Umgang»: Gladbach-Fans beim Auswärtsspiel gegen Basaksehir Istanbul. Foto: Twitter

«Respektloser Umgang»: Gladbach-Fans beim Auswärtsspiel gegen Basaksehir Istanbul. Foto: Twitter

Der gestrige Match von Borussia Mönchengladbach bei Basaksehir Istanbul hat ein Nachspiel. Der Bundesligaclub, bei dem mehrere Schweizer spielen, wird sich bei der Uefa über den Umgang mit den mitgereisten Borussia-Fans beschweren. Türkische Polizisten sollen Fahnen beschlagnahmt haben, weil christliche Symbole darauf zu sehen waren. Dabei handelte es sich offenbar um Fahnen, die das Wappen der Stadt Mönchengladbach zeigen. Auf dem Wappen sind ein Kreuz und ein Abtsstab abgebildet.

«Es ist respektlos, wenn man das Stadtemblem einer Gastmannschaft zurückweist», erklärte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers auf der Website des deutschen Clubs. Ausserdem seien Fans der Gästemannschaft schikaniert worden. Zwei Borussen-Fans waren vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, weil sie angeblich Polizisten geschlagen haben sollen. Videoaufnahmen bewiesen aber das Gegenteil. «Wir müssen uns unbedingt mit der Uefa zusammensetzen», liess Schippers verlauten.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl äusserte sich mit drastischen Worten zu den Geschehnissen in Istanbul. «Das hat nichts mit Europapokal zu tun. Das ist Polizeidiktatur.» Es mache ihn extrem traurig, «dass wir 2019 in Europa solche Zustände haben, dass die Polizei diktieren kann, welche Fahnen mit ins Stadion kommen. Diese Regel gibt es nicht.»

Basaksehir Istanbul ist ein Retortenclub, der erst vor fünf Jahren gegründet wurde. In der vergangenen Saison wurde er Vizemeister der Türkei. Basaksehir gilt als regierungsnaher Club, da er viele Gönner und Sponsoren aus der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat. Basaksehir wird auch Erdogan-Club genannt.

Von der Uefa gibt es bislang keine Stellungnahme zu den Vorgängen im Fatih-Terim-Stadion in Istanbul. Der europäische Fussballverband wartet noch die offiziellen Spielberichte ab. Danach entscheidet er, ob ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden muss. Mögliche Sanktionen für Basaksehir sind Stadionsperren und Bussen.

Im Stadion von Basaksehir Istanbul nicht geduldet: Christliche Symbole auf dem Wappen der Stadt Mönchengladbach.

Das Spiel zwischen Gladbach und Basaksehir endete mit einem 1:1-Unentschieden. Patrick Herrmann erzielte den späten Ausgleichstreffer für die Deutschen. Auch er äusserte sich mit deutlichen Worten: «Wir verurteilen klar, wie man hier mit unseren friedlichen Anhängern umgegangen ist.» Für Gladbach waren vier Schweizer im Einsatz: Goalie Yann Sommer, Denis Zakaria, Nico Elvedi und Breel Embolo.

vin