2019-03-18 14:46

Pyroattacke der GC-Fans: Es war mehr als pure Lust auf Krawall

Vor dem Sion-Spiel gab es einen Entscheid der Zürcher Clubführung, der den Frust der Fans befeuert haben dürfte.

GC-Chaoten provozieren Spielabbruch: Den Fans reicht es offensichtlich. Video: SRF

Das Ritual nimmt zwar seinen Lauf. Aber etwas ist diesmal anders als sonst, wenn es zu Gewalt in und um Schweizer Stadien kommt. Zwar sind da die üblichen Distanzierungsversuche der Clubvertreter und das Versprechen, die Vorfälle aufzuarbeiten. Kurz nach dem Spielabbruch in Sitten fing Stephan Anliker damit an, als er davon sprach, die Fans seiner Grasshoppers seien ihm vorgekommen «wie wilde Tiere».

Gleich darauf rief der GC-Präsident nach Hilfe von Verband und Staat. Auch wenn er nicht genau wusste, wie diese aussehen sollte. Am Sonntag kündigte der Club dann per Pressemitteilung «interne und externe» Untersuchungen an: «Wir wollen keine solchen Fans und werden die beteiligten Randalierer zur Rechenschaft ziehen.»

So weit, so normal. Doch was sich im Tourbillon mit den Fackelwürfen aufs Feld manifestierte, war mehr als die pure Lust auf Randale. Auch wenn es davon im Anhang der Grasshoppers genügend gibt. Es ist nicht so, dass sich die GC-Ultras in letzter Zeit einen Vertrauensvorschuss erarbeitet hätten. Eben erst wurde auf einem Transparent im GC-Sektor eines Chemnitzer Neonazis gedacht. Immer wieder fallen Teile der GC-Fans bei Auswärtsfahrten negativ auf. Es gab Angriffe auf Bahnpersonal und Schlägereien mit einer Thuner Quartiergang, bei der Polizisten verletzt wurden.

Keine Krawalltouristen

Was am Samstag im Stadion sichtbar wurde, war aber für einmal nicht die testosterongesteuerte und oft genug von Drogen verstärkte Suche nach dem Kick. Und es waren wohl auch nicht Krawalltouristen, wie es Anliker andeutete, als er von «fremden Gesichtern» im GC-Fanblock sprach. Nach Informationen dieser Zeitung waren dieselben GC-Anhänger im Sektor wie bei jedem anderen Auswärtsspiel.

Der erzwungene Spielabbruch war Folge des puren Frustes. Die fliegenden Fackeln und das Feuer im Fansektor hinterliessen den Eindruck einer Machtdemonstration. Aber die gespenstische Szenerie war etwas anderes: Ausdruck einer Ohnmacht, die jene GC-Anhänger verspüren, die in einer der diversen Gruppierungen der Fankurve ihr soziales Zuhause haben.

In ihrem Verständnis entzieht sich die Clubführung einem direkten Dialog. Seit Februar steht auf der Kurvenseite SektorIV.ch ein Forderungskatalog an den Club. Unter anderem wird da eine Fanvertretung in einem neu zu gründenden Beirat verlangt. Aus den Zeilen ist die pure Angst um die Existenz der Grasshoppers zu lesen. Und damit auch die Furcht um das eigene Dasein. Schon jetzt hat die GC-Kurve das Problem, dass der «Fan-Nachwuchs» der Stadt den Stadtrivalen des FC Zürich zuströmt.

Das abgesagte Fantreffen

In dieser angespannten Lage entschied sich die GC-Führung in der Woche vor dem Sion-Spiel, ein von ihr selbst anberaumtes Treffen mit Fans auf ein unbestimmtes Datum zu verschieben. Grund: «Jeder Einzelne im Verein - vom Spieler bis zur Clubführung» - müsse jetzt «alle Weichen für den Ligaerhalt setzen». Im GC-Forum ist nachzulesen, dass weder Entscheid noch Begründung deeskalierend auf die Gemütslage gewirkt haben.

Das alles entschuldigt oder rechtfertigt den erschreckenden Auftritt des GC-Anhangs in Sion nicht. Aber es mag erklären, warum sich im Zürcher Block nach einer miesen ersten Halbzeit des eigenen Teams die Ansicht durchsetzen konnte, dass es eigentlich egal sei, ob das Spiel weitergeführt würde oder nicht. Das Motto war offenbar: Einen Knall muss es sowieso geben. Dann gibt es halt einen richtigen.

Dabei ist so viel kaputtgegangen, dass sich die Frage stellt, wie das Verhältnis zwischen Kurve und Clubführung überhaupt noch gekittet werden kann. Die defensive bis ängstliche Körpersprache des Grüppchens aus Spielern, CEO Manuel Huber und Präsident Anliker, das in Sion versuchte, den eigenen Block zu besänftigen, sprach Bände.

Die von GC angekündigten «harten Massnahmen gegen randalierende Fans» dürften sich jedenfalls schwierig gestalten. Dafür müssten Fackelwerfer identifiziert werden. Was kaum möglich ist, da im Tourbillon laut Informationen der Grasshoppers keine Kameras installiert sind. Und innerhalb der GC-Kurve mag das eigene Verhalten jetzt kontrovers diskutiert werden. Aber die Pyrowerfer denunzieren? Das widerspräche dem eigenen Ehrenkodex.