2020-01-10 16:11

Federer: «Dann müsste ich meine Karriere sofort beenden»

Der Schweizer Tenniscrack, von der Klimaaktivistin Greta Thunberg an den Pranger gestellt, räumt ein, dass er nicht als Vorbild dienen kann.

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Mitte Dezember empfing Roger Federer in Dubai, wo er in der Saisonvorbereitung steckte, eine Gruppe Schweizer Journalisten (auch diese Zeitung) im Hinblick auf den «Match for Africa» vom 7. Februar in Kapstadt. Da wurde er auch gefragt, ob seine inzwischen zehnjährigen Töchter Myla und Charlene Greta Thunberg kennen würden. Und ob sie ihm manchmal vorhalten würden: «Papa, wir reisen zu oft im Flugzeug!»

Er glaube nicht, dass sie Greta schon kennen würden, sagte Federer damals. Das könnte sich inzwischen geändert haben. Denn mit zwei Retweets der Forderung, der Tenniscrack solle seine Zusammenarbeit mit der Credit Suisse beenden, stellte ihn die schwedische Klimaaktivistin an den Pranger. Die Schweizer Grossbank steht in der Kritik, weil sie viel Geld in Firmen investiert, die fossile Energien fördern wie Kohle oder Fracking, eine umstrittene Form der Bohrung nach Erdgasvorkommen.

Mit ihren 3,9 Millionen Followern auf Twitter erreicht Greta Thunberg eine breite Öffentlichkeit. Sie ist auf den sozialen Kanälen sehr aktiv, verbreitet täglich Anliegen, die ihr berechtigt erscheinen. Was die Vielfliegerei betrifft, könne er als Tenniscrack kein Vorbild sein, räumte Federer in Dubai ein: «Wir leben ein komplett abnormales Leben. Deshalb ist dies ein heikles Thema für mich. Wenn du auf meinem Niveau Tennis spielst, reist du das ganze Jahr. Ich verbringe so viel Zeit im Flugzeug. Deshalb kann ich den Leuten nicht sagen, sie müssten darauf achten, nicht zu viel zu fliegen, und dann gleich nach Australien reisen. Aber ich kann die Grand-Slam-Turniere ja auch nicht nach Basel holen.»

Federer stellt die Frage gleich selber: «Habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Ja und nein. Wenn ich Ja sagen würde, müsste ich meine Karriere sofort beenden. Deshalb kann ich nicht so antworten.» In der Schweiz aufgewachsen, sei er aber durchaus sensibilisiert für Umweltanliegen: «Du löschst das Licht, wenn du aus dem Haus gehst, du rezyklierst. Mirka und ich versuchen, trotz meines aussergewöhnlichen Lebens als Tennisspieler, gewisse Prinzipien zu beachten und sie unseren Kindern zu vermitteln.»

Imagepolitur mit Federer

Federer wurde 2009 Markenbotschafter der Credit Suisse. Das Image der Grossbank war nach der Finanzkrise, ausgelöst durch das Platzen der US-Immobilienblase, stark ramponiert. Das Engagement Federers war der Imagepflege der CS sicher dienlich. Ein Teil des Deals war, dass die Bank die «Roger Federer Foundation», die Bildung im südlichen Afrika fördert, jährlich mit einer Million Franken unterstützte. Der ursprüngliche Vertrag, der 2019 ausgelaufen wäre, wurde verlängert. Die Idee ist, dass sein Engagement über seine Aktivkarriere hinausgeht.

Dass sich Federer nun von der Grossbank lossagt, ist unwahrscheinlich. Er hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäussert. Inzwischen ist er in Australien eingetroffen für die Vorbereitung aufs Australian Open und wird dort an einem Schaukampf spielen, um Geld zu sammeln für die Bekämpfung der verheerenden Buschbrände.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Verbindung des 38-Jährigen zu einem seiner Sponsoren kritisiert wird. So prangerte die Organisation «Public Eye» im Sommer 2018 seinen Deal mit der japanischen Kleidermarke Uniqlo an und forderte, er müsse sich für Entschädigungen und bessere Bedingungen für die Näherinnen in China und Indonesien einsetzen.


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Tagesanzeiger.ch/Newsnet