2017-12-28 13:26

Der teuerste Verteidiger der Fussball-Geschichte

100 Millionen Franken bezahlt Liverpool für Virgil van Dijk – und das soll noch ein Schnäppchen sein. Warum?

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  • Fabian Sangines

Es dürfte ein guter Tag gewesen sein für Jürgen Klopp. Schliesslich passiert es nicht oft, dass man gleichzeitig zwei Ligagegner und dazu noch die eigenen Fans glücklich macht. Nun, Klopp schaffte es. Denn kürzlich mahnte Chelsea-Trainer Antonio Conte: «Wir müssen alle aufpassen, dass Manchester City nicht endgültig enteilt.» Nicht in der aktuellen Saison, das ist angesichts der 15 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Manchester United längst passiert. Sondern auf lange Sicht. «Und zwar alle Teams in Europa», ergänzte Conte.

Es ging um die Personalie Virgil van Dijk. Der holländische Innenverteidiger sei ganz weit oben auf dem Wunschzettel von City, hiess es. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Pep Guardiola nun auch diesen Spieler noch bekomme, so Contes Botschaft. In Liverpool hörte Klopp genau zu, zückte sein Scheckbuch – und ein neuer Rekordtransfer war geboren.

75 Millionen Pfund, also knapp 100 Millionen Schweizer Franken, liessen sich die Reds den 16-fachen Nationalspieler kosten – damit ist Van Dijk der teuerste Abwehrspieler der Geschichte. Diese Ehre war bis jetzt Aussenverteidiger Benjamin Mendy zuteil: City bezahlte vergangenen Sommer 52 Millionen Pfund für den derzeit verletzten Franzosen.

Damit dürfte also auch Southampton zufrieden sein. Der aktuelle Tabellenvierzehnte erhält für seinen Verlust ein üppiges Schmerzensgeld. Bereits im Sommer stand der Transfer kurz bevor, einige Medien meldeten den Wechsel von Van Dijk zu Liverpool gar als perfekt. Southampton dementierte und beschwerte sich beim englischen Fussballverband darüber, dass die Reds hinter ihrem Rücken mit einem Spieler verhandelten, der einen Vertrag bis 2022 besitzt. Damals standen 50 Millionen Pfund im Raum.


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Mit einer Wertsteigerung von 50 Prozent in nur vier Monaten zahlt sich also aus, dass die Saints im Sommer auch beim Transfer Request des 26-Jährigen, also einem offiziellen Wechselgesuch, hart geblieben sind. Liverpool blieb nichts anderes übrig, als sich für «die Missverständnisse um die Personalie Van Dijk» zu entschuldigen. Im Sommer 2015 holte Southampton den früheren Jugendspieler von Willem II Tilburg für knapp 16 Millionen Euro von Celtic Glasgow.

Trotz des Betrags in astronomischer Höhe sind sie aber auch in Liverpool glücklich über die Neuverpflichtung. Via Twitter schreibt Jamie Carragher, früherer Abwehrchef und Vereinslegende: «Er ist ruhiger, als ich war, kopfballstärker, schneller – und schiesst keine Eigentore.» Carragher traf in seiner Karriere achtmal ins eigene Netz. Der 39-Jährige befindet, dass Van Dijk sofort Liverpools bester Abwehrspieler sei: «Er muss vielleicht noch etwas fitter werden, ein paar Pfund abnehmen. Aber er wird unsere Nummer eins in der Innenverteidigung sein.»

Das belegen die Statistiken. Gemäss der Datenbank Opta ist der im holländischen Breda geborene Van Dijk einer von nur vier Spielern, die in den letzten drei Jahren in der Premier League keinen Fehler machten, der zu einem Gegentor führte. Ausserdem wurde er vergangene Saison nur sechsmal ausgedribbelt. Zum Vergleich: Liverpools derzeitiger Abwehrchef Dejan Lovren 17-mal. Bei den Verteidigern ganz vorne lag Van Dijk in der Saison 2016/17 bei der Genauigkeit von langen Bällen (62,6 Prozent) – in Klopps Spiel, das auf blitzschnellem Umschalten von Defensive auf Offensive beruht, sicher kein Nachteil. Die drei zentralen Abwehrspieler von Liverpool hatten deutlich tiefere Werte (Matip 51,4 Prozent, Lovren 46,5 Prozent und Klavan 45,8 Prozent).

Gemäss dem Analyseportal «Breakingthelines» ist es ebendiese Spieleröffnung, die Van Dijk zu einem modernen Innenverteidiger macht. Dazu ist er für seine 1,93 Meter Körpergrösse extrem schnell. Besonders im Antritt, was, gepaart mit seinem beeindruckenden Antizipationsvermögen dazu führt, dass er oft einen Schritt schneller am Ball ist als der Gegner.

Dabei wird seine Schnelligkeit oft unterschätzt. Als das Computerspiel «Fifa 18» seinen Geschwindigkeitswert auf 73 festlegte, sagte Van Dijk: «Vielleicht sollten die Entwickler nächstes Mal auf unserem Trainingsgelände anrufen und sich nach den Zahlen erkundigen.» Er selber hätte sich eine 83 gegeben – bei einem Maximalwert von 99.


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Tagesanzeiger.ch/Newsnet