2018-01-06 20:13

«Trump fällt auseinander, und wir sehen die Anzeichen»

Das Verhalten und die zusehends repetitive Sprache des Präsidenten werfen Fragen zu seinem geistigen Zustand auf. Auch Republikaner sind besorgt.

«Ich war ein exzellenter Student und verdiente Milliarden»: Donald Trump kommentierte heute Abend die in «Fire and Fury» geäusserten Vorbehalte bezüglich seiner mentalen Fitness.

Er wiederholt die stets gleichen Storys in immer kürzeren Abständen. Seine Tweets zeugen von Unbeherrschtheit und strotzen von kindischen Behauptungen. Wie etwa, dass sein «Atomknopf» grösser sei als der von Kim Jong-un. Sein Vokabular, schon immer eher beschränkt, schrumpft angeblich weiter, bombastische Ausdrücke bilden inzwischen das Rückgrat seiner Sprache: Sorgten sich Mitarbeiter, die täglich mit Donald Trump zu tun haben, bereits seit geraumer Zeit über die mentale Befindlichkeit des US-Präsidenten, so werden diese Sorgen nach der Veröffentlichung von Michael Wolffs Enthüllungsbuch «Fire and Fury: Inside the Trump White House» jetzt offen debattiert.

Denn Trump wandert durch Wolffs Buch als ein Präsident, dessen geistige Kapazitäten so beschränkt sind, dass ihn seine Untergebenen wie ein Kind behandeln. Am Freitag beharrte Wolff in einem TV-Interview auf dieser Darstellung: In Gesprächen mit ihm hätten «hundert Prozent der Menschen um den Präsidenten Vorbehalte angemeldet bezüglich seiner mentalen Fitness für das Präsidentenamt».

Damit spricht Wolff lediglich aus, was seit Monaten ein offenes Geheimnis in Washington ist und eben nicht nur bösartigen Anfeindungen von Trumps politischen Gegnern entspringt. Schon im August warnte der republikanische Senator Bob Corker (Tennessee) vor Trumps Mangel an Kompetenz sowie einer Amtsunfähigkeit, die tägliche Interventionen des Stabs erforderten. Im Oktober schockte der Präsident eine Runde republikanischer Senatoren bei einer Begegnung auf dem Kapitolshügel durch weitschweifige und zusammenhanglose Bemerkungen sowie endlose Wiederholungen. Einige der Senatoren «dachten, Trump leide an Alzheimer», beschrieb der konservative Kolumnist David Brooks die erschreckende Szene.

Wachsende Zahl der Wiederholungen

Anfang Dezember luden demokratische Kongressmitglieder und ein Republikaner Bandy Lee, eine Psychiatrieprofessorin an der Yale-Universität, zu einem vertraulichen Briefing über Trumps Geisteszustand ein. Lee hatte zuvor einen Sammelband von Psychologen und Psychiatern publiziert, der sich mit der mentalen Fitness des Präsidenten befasste. In Vorträgen von insgesamt 16 Stunden Dauer warnte Lee ihre Zuhörer vor Trumps Befindlichkeit: «Er fällt auseinander, und wir sehen die Anzeichen», lautete das Fazit der Psychiaterin.

Ebenfalls Anfang Dezember verlangte der Arzt Ford Vox, ein Spezialist für Gehirnverletzungen, im medizinischen Webmagazin «Stat News», Trump müsse «auf eine degenerative Gehirnkrankheit untersucht werden». Die Sprachmuster des Präsidenten seien «zunehmend repetitiv und fragmentiert, inhaltslos und von begrenztem Vokabular», schrieb Vox. Zwar wird der Präsident in der kommenden Woche erstmals von Dienstärzten umfassend begutachtet werden, doch ist unklar, ob dabei auch seine Gehirnfunktionen getestet werden.

Bilder: Bannon vs. Trump

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Glaubt man Michael Wolff, so verstören besonders die Anzahl der Wiederholungen die Mitarbeiter des Präsidenten: «Alle im Weissen Haus waren sich der wachsenden Zahl der Wiederholungen schmerzlich bewusst», behauptet Wolff. Wiederholte Trump «früher die gleichen drei Geschichten Wort für Wort innerhalb von 30 Minuten mit dem stets gleichen Gesichtsausdruck, so tat er das jetzt innerhalb von zehn Minuten», schreibt Wolff.

«Mental gefestigtes Genie»

Das Weisse Haus wiederum wischte alle Bedenken hinsichtlich der Amtstauglichkeit des Präsidenten vom Tisch: Eine solche Diskussion sei «schändlich und lachhaft», erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Donnerstag.

Präsident Trump hat heute auf die Veröffentlichung des kritischen Buches «Fire and Fury» mit einer Tweet-Salve reagiert, in der er sich selbst als «mental gefestigtes Genie» bezeichnet: