2014-03-27 08:50

Hoeness’ Geldtransaktionen schreien nach Aufklärung

Die Münchner Staatsanwaltschaft will im Verfahren gegen Uli Hoeness alles aufgeklärt haben. Obwohl bis heute weder Gewinne noch Verluste in Millionenhöhe nachvollziehbar sind.

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Lückenlos recherchiert, alles aufgeklärt, vollständiger Überblick über das Konto von Uli Hoeness bei der Bank Vontobel – das war die Botschaft, mit der Ken Heidenreich, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, in der «Süddeutschen Zeitung» auf die Kritik reagierte, man habe im Hoeness-Prozess nicht alles so genau wissen wollen.

Doch der Auftritt des Oberstaatsanwalts vermag die Kritiker nicht zu beschwichtigen. So spekuliert etwa die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», der Verzicht auf einen Weiterzug des Urteils sei zwischen Hoeness’ Verteidigern und der Staatsanwaltschaft abgesprochen worden: «Bei so etwas fragt man vorher die Anklagebehörde, ob sie mitzieht, um kein Risiko einzugehen», sagten erfahrene Strafverteidiger. Die Zeitung fragt auch, wie der Prozess so schnell vorbei sein konnte. Der Präsident des FC Bayern ist vor zwei Wochen wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden – die Verhandlung vor dem Landgericht München dauerte lediglich vier Tage.

Keine politische Einflussnahme

Abgesprochen oder nicht – nach deutschem Recht sind Staatsanwälte weisungsgebunden. Damit stellt sich die Frage, ob politische Instanzen Einfluss auf den Entscheid der Staatsanwaltschaft genommen haben, nicht gegen das erstinstanzliche Urteil in Revision zu gehen – zumal Politgrössen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer Hoeness öffentlich Respekt zollten, nachdem dieser bekannt gab, den Urteilsspruch zu akzeptieren. Oberstaatsanwalt Heidenreich stellt dies gegenüber dem «Tages-Anzeiger» in Abrede: «Weder im Ermittlungsverfahren, im Rahmen der Hauptverhandlung noch im Anschluss an die Hauptverhandlung gab es eine dienstliche Weisung oder Anregung.»

Heidenreich argumentiert, dass der Staatsanwaltschaft für weitergehende Ermittlungen ein ausreichend tragfähiger Anfangsverdacht fehle. Die Herkunft von Hoeness’ Mitteln sei restlos aufgeklärt. Doch die von Hoeness erzielten Gewinne und auch die Verluste sind es nicht. Jedenfalls haben die deutschen Behörden die diesbezüglich öffentlich aufgeworfenen Fragen bisher nicht schlüssig beantwortet.

Nicht geklärt ist etwa, wie Hoeness zwischen 2001 und 2005 mit Devisenspekulationen sein Startkapital vervielfachen konnte. Gemäss Staatsanwaltschaft standen ihm 11,2 Millionen Euro aus eigenen Mitteln zur Verfügung. Hinzu kam das Darlehen des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus von 5 Millionen D-Mark – das entsprach damals rund 2,5 Millionen Euro. 2003 flossen zusätzliche 5,6 Millionen Euro von Deutschland auf das Vontobel-Konto in Zürich. Hoeness machte also aus knapp 14 Millionen im Jahr 2001 bis Ende 2005 ein Vermögen von über 150 Millionen Euro. Das ergibt eine durchschnittliche Rendite von gegen 60 Prozent pro Jahr. Der ehemalige Banker G. sagt: «Mir ist kein einziger Hedgefonds-Manager bekannt, der über einen solchen Zeitraum auch nur annähernd eine solche Performance erzielt hätte – schon gar nicht mit Währungen.»

Waren Verluste vorgetäuscht?

Genauso wenig nachvollziehbar sind die Verluste von 118,9 Millionen Euro, die sich bei Hoeness bis 2008 in Deutschland summierten. Er selbst hat – so die Staatsanwaltschaft – entsprechende Verlustvorträge geltend gemacht. Eigentlich hätte das die Steuerbehörden hellhörig machen müssen, stellt sich doch die Frage, wie ein Betroffener solche Verluste verkraften kann.

Das alles stützt den Verdacht, dass die Verluste in Deutschland nur scheinbare waren und das Geld stattdessen mit trickreichen Devisengeschäften vom weissen Konto bei der Münchner Bank Reuschel auf das schwarze in der Schweiz verschoben worden ist (TA vom 15. 3.). Diese Methode ist unter Devisenhändlern bekannt: Währungskurse werden auf diese Weise manipuliert beziehungsweise untereinander abgesprochen, dass auf dem einen Konto ein Verlust, auf dem anderen ein Gewinn entsteht. Wäre das im Fall Hoeness der Fall gewesen – es gilt die Unschuldsvermutung –, hätte er in Deutschland einen Teil der Verluste steuermindernd geltend machen können.

In der Schweiz hätte er zusätzlich einen steuerfreien Gewinn gemacht. Um Licht in diese Sache zu bringen, müssten die Finanzaufsichtsbehörden beider Länder, die deutsche Bafin und die Schweizer Finma, die Transaktionen beider Banken (Reuschel und Vontobel) überprüfen.

Von Konto zu Konto zu Konto

Die Bank Reuschel – heute Donner & Reuschel – ist die Privatbank der Signal-Iduna-Gruppe, eines grossen deutschen Finanzdienstleistungskonzerns. Im Beirat der Bank sitzt Florian Hoeness, Sohn des Uli und Geschäftsführer von Vaters Wurstfabrik. Gemäss Heidenreich verschob der FC-Bayern-Präsident die genannten Beträge in mehreren Tranchen von der Reuschel-Bank auf sein Konto bei der Graubündner Kantonalbank und von dort zur Bank Vontobel.

Die Konten von Reuschel und der Kantonalbank waren den deutschen Steuerbehörden bekannt, das von Vontobel nicht. Da stellt sich die Frage, weshalb sich die Steuerbehörden nie für die Millionenabflüsse von den legalen Konten interessiert haben. Heidenreich antwortet, das betreffe «nicht die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft München II».

Tagesanzeiger.ch/Newsnet

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