2013-06-14 20:19

Diese Sekten beschäftigen die Schweizer

Die Schweizer Sekten-Fachstelle verzeichnete 2012 viel mehr Anfragen als in den Vorjahren. Ihr Jahresbericht zeigt, aus welchem Kanton die meisten kamen und um welche Gruppen sie sich drehten.

Symbol für eine umstrittene Glaubensgesellschaft: Das Scientology-Kreuz. (Archivbild)

Symbol für eine umstrittene Glaubensgesellschaft: Das Scientology-Kreuz. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Die Fachstelle für Sektenfragen Infosekta hat im vergangenen Jahr 1696 Informations- und Beratungsgespräche verzeichnet. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Jahresbericht 2012 hervorgeht.

Den starken Anstieg führt Infosekta unter anderem auf den zunehmenden Bekanntheitsgrad der Fachstelle zurück. Auch die Schliessung der ökumenischen Beratungsstelle Religiöse Sondergruppen und Sekten der Zentralschweiz per Ende Februar 2012 dürfte eine Rolle gespielt haben. So verzeichnete Infosekta mehr Anfragen aus den Kantonen Luzern und Zug.

41 Prozent der Anfragen aus Zürich

In 37 Prozent der Anfragen gelangten Betroffene an Infosekta, weil der Partner, eine Freundin oder ein Angehöriger in ein sektenhaftes Umfeld geraten war oder unter Einfluss einer Sekte stand. Sechs Prozent der Ratsuchenden gehörten früher selbst einmal einer Sekte an.

90 Prozent der Anfragen kamen aus der Deutschschweiz, einige wenige aus der Romandie, dem Tessin und dem Ausland. 41 Prozent der Anfragen entfielen auf den Kanton Zürich. 71 Prozent der Ratsuchenden waren Privatpersonen, bei den übrigen handelte es sich um Institutionen, darunter Ämter und Schulbehörden, sowie Medienschaffende.

Unzählige Gruppierungen

Wie vielfältig der heutige Weltanschauungsmarkt ist, widerspiegelt sich in der Beratungsstatistik: 77 Prozent der Anfragen bezogen sich auf unzählige Kleingruppen und Einzelpersonen, die «teilweise auch der Fachstelle unbekannt» waren. Dabei handelte es sich meistens um kleine evangelikale Gemeinschaften und esoterische Lebenshilfeangebote.

Wiederholt «besorgniserregende Anfragen» gingen etwa zur Palmarianisch-katholischen Kirche ein, wie Infosekta schreibt. Die äusserst konservative Gruppierung mit Sergio Maria als aktuellem «Papst» schaffe einen «kaum überwindbaren Graben» innerhalb der betroffenen Familien oder zu deren näherem Umfeld.

Auch mit der Ufo-Gemeinschaft FIGU («Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien») befasste sich die Fachstelle. Deren Gründer Eduard Albert Meier berichtete immer wieder von angeblichen Ufo-Sichtungen. Zudem behauptete er, mit Ausserirdischen Gespräche geführt zu haben.

Von den bekannteren Gruppen betrafen die meisten Anfragen Scientology (7 Prozent), die International Christian Fellowship ICF (6 Prozent) sowie die Zeugen Jehovas (5 Prozent). Je zwei Prozent bezogen sich auf den ehemaligen Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis VPM (2 %), Word & Spirit International sowie Kingdom Embassy.

fko/sda