2010-05-08 06:37

Bruno Manser: Seit zehn Jahren verschollen

An einer öffentlichen Gedenkfeier in Basel wird morgen an den Schweizer Regenwaldschützer Bruno Manser erinnert. Sein letztes Lebenszeichen war Brief an seine Freundin in der Schweiz, datiert vom 23. Mai 2000.

Engagierter Aktivist: Bruno Manser.

Engagierter Aktivist: Bruno Manser.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wird am Freitagnachmittag eine Delegation von Ureinwohnern Borneos empfangen. Bei der Gedenkveranstaltung vom Samstag in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel werden der malaysische Landrechtsanwalt Baru Bian, der Basler Regierungspräsident Guy Morin, Thomas Stocker vom UNO-Klimarat IPCC sowie Mansers Schwester Monika Niederberger Manser erwartet, wie der Bruno-Manser-Fonds mitteilte.

Der 1954 geborene Manser hatte von 1984 bis 1990 beim Volk der Penan im Urwald des malaysischen Bundesstaates Sarawak auf der Insel Borneo gelebt und darüber in seinen «Tagebüchern aus dem Regenwald» berichtet.

Spektakuläre Aktionen

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz engagierte er sich mit spektakulären Aktionen gegen die Abholzung der Regenwälder und gegen die Zerstörung der Lebensgrundlage der rund 10'000 Penan durch immer mehr Holz- und Palmölfirmen.

In der Schweiz wurde Manser vor allem mit einem 60-tägigen Hungerstreik vor dem Bundeshaus in Bern 1993 bekannt. Die damalige Bundesrätin Ruth Dreifuss gesellte sich zeitweilig dazu und beteiligte sich an einer Pullover-«Lismete» mit Manser.

Die malaysischen Behörden versuchte er mit einem Fallschirmsprung auf das UNO-Gebäude in Genf sowie 1999 mit einem Gleitschirmflug auf die Residenz des Regierungschefs von Sarawak auf die Anliegen der Penan aufmerksam zu machen.

Manser reiste 2000 wieder ins Gebiet der Penan-Waldnomaden und gilt seit dem Mai 2000 verschollen. Sein letztes Lebenszeichen, ein Brief an seine Freundin in der Schweiz, datiert vom 23. Mai 2000.

Hilfe geht weiter

Mansers Engagement wird heute von dem von ihm begründeten Fonds weitergeführt. Der Fonds setze sich für die Landrechte der indigenen Bevölkerung auf Borneo ein, sagte der Geschäftsleiter des Fonds Lukas Straumann. So unterstütze er die Penan, die belegen müssten, dass sie schon seit mindestens 50 Jahren auf ihrem Land leben, bei der Kartierung des Landes.

Die Karten sind nach den Worten von Straumann die Grundlage für Landrechtsklagen und Verhandlungen mit Holzkonzernen, damit diese die Eigentumsrechte der indigenen Völker respektieren.

Im vergangenen November hatten fünf Gemeinden der Penan Klage gegen die regionale Regierung des Bundesstaates Sarawak und den Holzkonzern Samling eingereicht. Sie fordern damit einen Abholzungsstopp auf einer Fläche von 800 Quadratkilometern - dies entspricht einer Fläche des Kantons Solothurn. Vertreten werden sie dabei von Anwalt Baru Bian.

Bis ins 20. Jahrhundert hatten die Penan als nomadische Jäger und Sammler gelebt. Seit den 50er Jahren wurden sie vor allem durch die Abholzung mehrheitlich zur Sesshaftigkeit gezwungen.

sda