2016-04-21 09:04

Gurlitt-Ausstellung wegen Rechtsstreit geplatzt

Das Berner Kunstmuseum muss die angekündigte Ausstellung verschieben, weil der Erbstreit andauert.

Bis die Bilder aus dem Gurlitt-Erbe im Kunstmuseum Bern ausgestellt werden, dauert es.

Bis die Bilder aus dem Gurlitt-Erbe im Kunstmuseum Bern ausgestellt werden, dauert es.

(Bild: Keystone)

Erst vor zwei Wochen war sie angekündet worden, die Ausstellung der Kunstwerke aus dem Nachlass des umstrittenen Sammlers Cornelius Gurlitt im Kunstmuseum Bern und der Bundeskunsthalle in Bonn. Nun haben die Verantwortlichen am Mittwoch mitgeteilt, dass die Schau zum «Schwabinger Kunstfund» verschoben wird. Anstatt noch diesen Winter sollen die Werke erst nächstes Jahr zu sehen sein.

Grund für die Absage ist die Fortsetzung des Prozesses um Gurlitts Erbe. Denn der Rechtsstreit um das Testament des 2014 verstorbenen Kunstsammlers ist noch immer nicht geklärt. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass sich das Verfahren weiter in die Länge ziehen wird. Das mit dem Fall befasste Oberlandesgericht München will Gurlitts Geisteszustand vor seinem Tod genauer auf den Grund gehen und hat darum für Ende September einen Termin für die Beweisaufnahme angesetzt.

Die Museen müssen nun die Ausstellungen verschieben, weil sie nicht genügend Zeit für die Organisation der geplanten Ausstellungen haben: «Wir haben mit den deutschen Behörden abgemacht, dass wir mindestens sechs Monate Vorlaufzeit benötigen», sagte Marcel Brülhart, Delegierter des Stiftungsrates der Dachstiftung des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee, dem «Bund». Deshalb habe sich die Ausstellung mit dem Entscheid des Gerichtes «automatisch» verschoben.

Beim Kunstmuseum will man nichts von einem überraschenden Gerichtsentscheid wissen, man habe auch diese Option im Auge gehabt, sagt Brülhart.

«Nicht blauäugig vorgeprescht»

Warum aber hat man dann erst vor zwei Wochen in Bonn mit einem Medienanlass über die Ausstellung informiert? Man sei nicht blauäugig vorgeprescht, verteidigt sich Brülhart: «Wir mussten das tun, weil wir mit den Arbeiten zur Ausstellung begonnen hatten und sonst Gerüchte entstanden wären.»

Zudem habe man vorbereitet sein wollen für den Fall, dass das Kunstmuseum Bern die Bilder definitiv erhalten sollte. Dass man nun den Nachlass später zeige, habe keine finanziellen Auswirkungen auf das Museum, sagt Brülhart. An der Ausstellung werde zudem weitergearbeitet.

Ersatzprogramm gesucht

Der Gerichtsentscheid aus München bringt das Berner Museum dennoch in Bedrängnis. Weil die Ausstellung diesen Winter geplant war, klafft nun im Ausstellungs-Kalender ein Loch: Das sei eine Herausforderung die man nun anpacken müsse, sagt Brülhart.

Die geplante Schau soll auf die Vorgeschichte der Sammlung eingehen und den aktuellen Forschungsstand präsentieren. Neben einem wissenschaftlichen Kuratorenteam wird die Ausstellung im Kunstmuseum Bern von Matthias Frehner, dem ehemaligen Direktor des Museums, geleitet.

Der Bund