2019-12-09 10:01

Migros-Weihnachtssterne «aus der Region» kommen aus Afrika

Die Pflanzen wachsen zuerst in Ostafrika und kommen per Flugzeug in die Schweiz. Coop verkauft sie mit dem Fairtrade-Label.

Jetzt sind Weihnachtssterne heiss begehrt, bald schon landen sie im Abfall. Foto: Urs Jaudas

Jetzt sind Weihnachtssterne heiss begehrt, bald schon landen sie im Abfall. Foto: Urs Jaudas

  • Isabel Strassheim

Im Dezember gehört der Weihnachtsstern zu den beliebtesten Pflanzen. Bei den meisten bleibt er jedoch nur wenige Wochen im Advent stehen – ein Bruchteil der Zeit, die er zuvor in Gewächs­häusern verbracht hat. Allein das Ziehen der Stecklinge an der Mutterpflanze braucht ein paar Wochen in Ostafrika – auch bei Sternen, die laut Label «Aus der Region» stammen.

«Die Pflege der Mutter­pflanzen ist sehr arbeitsintensiv; von ihnen werden ungefähr zwei Wochen alte Triebe geschnitten, die dann zur Aufzucht in die Schweiz ­geschickt werden», sagt Melanie Dürr von Max Havelaar. Per Flugzeug kommen sie in die Schweiz. Hier werden sie zunächst für vier Wochen in Jungpflanzenbetrieben gepflegt, bis sie genügend Wurzeln ausge­bildet haben.

Dann kommen sie in Gärtnereien, wo sie eingetopft werden und während bis zu sechzehn Wochen zur Verkaufsgrösse heranwachsen. Zum Schluss bilden sich während fünf bis sechs ­Wochen die roten, weissen oder rosa Blütenblätter aus. Dies ­passiert jedoch nur, wenn die Nächte länger als die Tage werden oder wenn mit abdunkelnder ­Folie künstliche Kurztage ­erzeugt werden. Insgesamt dauert es fast dreissig Wochen, bis die Pflanzen im Laden landen.

Nachhaltig oder regional?

Bei der Migros laufen die Weihnachtssterne primär unter dem Siegel «Aus der Region. Für die Region». Auch wenn die Jungpflanzen aus Afrika kommen und sogar teilweise Fairtrade-zertifiziert sind, wie ein Sprecher der Migros sagt. «Wir legen den ­Fokus in der Auslobung auf die Region und die Schweiz.» Denn der Grossteil der Kulturdauer der Pflanze liegt in der Schweiz.

Damit ein Weihnachtsstern zusätzlich das Suisse-Garantie-Label tragen dürfe, müsse er ab Jungpflanze in der Schweiz ­kultiviert werden, erklärt Othmar Ziswiler vom Gärtner-Unternehmerverband Jardin Suisse. Woher der Steckling kommt, spielt keine Rolle.

Coop bezieht die Weihnachtssterne unter anderem von der Farm Wagagai in Uganda. 

Coop dagegen vermarktet dieses Jahr 90 Prozent der Weihnachtssterne unter dem Fairtrade-­Label. «Wir legen einen grossen Wert auf nachhaltige Produktion», sagt eine Sprecherin. Deshalb suchte Coop nach Möglichkeiten, das Sortiment an Fair­trade-Max-Havelaar-Pflanzen zu erweitern und so auch die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern.

Der Detailhändler bezieht die Weihnachtssterne unter anderem von der Farm Wagagai in Uganda. Die 2300 Angestellten dort erhalten sogar mehr, als das Havelaar-Label vorschreibt: Sie bekommen 4,5 Eurocent pro Steckling zusätzlich. Der Farmbetreiber will mehr als den vorgeschriebenen Mindestlohn zahlen, da dieser den Arbeitern nicht ermöglicht, zum Beispiel Geld für Unvorhergesehenes zur Seite zu legen.

Nicht einfach wegwerfen 

Wichtig für Fairtrade-Farmen sind vor allem kontinuierliche Abnehmer, nur so lohnt sich die Zertifizierung für sie, und auch die Angestellten können sich auf die besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen einstellen. Laut Coop geht es bei den Weihnachtssternen um ein langfristiges Engagement. Die Weihnachtssterne sind jedoch Wegwerfware. Nach den Feiertagen enden die meisten im Abfall oder Kompost. «Die Haltbarkeit von Weihnachtssternen hängt massgeblich von der Pflege ab», meint die Coop-Sprecherin. Max Havelaar empfiehlt, ihn mit wenig Wasser in der Schale bis zum nächsten Jahr durchzubringen.