2012-04-26 11:20

Kinder wenden sich an Fachstelle für Sektenfragen

Rund 1500 Personen haben die Fachstelle InfoSekta kontaktiert. Ein Drittel der Fälle betraf Kinder oder Jugendliche.

Die Zürcher Fachstelle für Sektenfragen InfoSekta hat im vergangenen Jahr 1478 Beratungsgespräche geführt. Das waren etwa gleich viele wie im Vorjahr, wie aus dem heute Donnerstag publizierten Jahresbericht 2011 hervorgeht.

In 43 Prozent der Anfragen wandten sich Personen an InfoSekta, weil eine andere Person in ein sektenhaftes Umfeld geraten war oder deren Angehörigen unter sektenhafter Beeinflussung standen. 3 Prozent standen selber mit einer Sekte in Kontakt. In rund einem Drittel der Fälle waren Kinder oder Jugendliche betroffen.

Narzisstische Neigungen ausnutzen

Über drei Viertel der Anfragen an die Fachstelle betrafen Kleingruppen wie kleine evangelikale Gemeinschaften, aber auch Geistheiler, Lebensberater, Mentaltrainer oder Seminarangebote.

Das zeige, dass auch Einzelanbieter sowie Kleingruppen «sehr problematisch» seien, heisst es im Jahresbericht. Oft nützten die Anbieter esoterischer Angebote narzisstische Neigungen aus. Nicht selten resultiere daraus ein Abhängigkeitsverhältnis.

Repressiver Umgang mit Aussteigern

Seit Jahren ganz vorne in der Anfragestatistik von InfoSekta steht die Endzeitgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Der repressive Umgang mit den «Ausgeschlossenen» führe immer wieder zu zahlreichen und besonders traurigen Anfragen, hält die Fachstelle fest.

So dürften Eltern, deren erwachsene Kinder aus der Gemeinschaft ausgetreten sind, mit diesen keinen Kontakt pflegen. Wer als Zeuge Jehovas dennoch heimlichen Kontakt zu Ausgestiegenen pflege, dürfe dabei nicht ertappt werden und dürfe mit niemandem darüber reden.

Fachstelle mit Defizit

44 Prozent der telefonischen und schriftlichen Anfragen kamen aus dem Kanton Zürich. Die Rangliste der übrigen Kantone führen Bern, Aargau und St. Gallen an.

In der Jahresrechnung weist InfoSekta ein kleines Defizit von 6800 Franken aus. Am stärksten unterstützt wird die politisch und konfessionell unabhängige Fachstelle von Kanton und Stadt Zürich.

pia/sda