2019-09-13 13:52

Bundesliga-Samstag mit zwei Spitzenkämpfen

Leipzig gegen Bayern und Dortmund gegen Leverkusen: Obwohl erst drei Runden gespielt sind, ist gerade beim BVB die Aufregung gross.

Mit 24 schon der Chef? Über die beste Position von Joshua Kimmich debattiert Fussball-Deutschland leidenschaftlich.

Mit 24 schon der Chef? Über die beste Position von Joshua Kimmich debattiert Fussball-Deutschland leidenschaftlich.

(Bild: Keystone Guido Kirchner)

Fussball-Deutschland hält derzeit ein klein wenig den Atem an. Könnte es sein, dass für einmal mehr als ein bis zwei Clubs um den Meistertitel spielen? Einerseits ist es etwas früh für solche Gedankenspiele, da erst drei Runden gespielt sind. Aber man soll ja träumen, solange es geht. Die Realität dürfte früh genug über die Liga hereinbrechen.

Möglicherweise ein erstes Mal bereits am Samstag, wenn die vier Schwergewichte der Bundesliga untereinander spielen. Die Serienmeister des FC Bayern München reisen dann nach Leipzig, wo das einzige Team mit der vollen Punktzahl zu Hause ist.

Seit Sommer trainiert Julian Nagelsmann den Club aus Deutschlands Osten. Und der 32-Jährige scheint den typischen RB-Powerfussball noch einmal einen Tick weiter gedreht zu haben. Er hat das Spiel ganz auf seinen besten Offensivspieler ausgerichtet. Timo Werner soll möglichst häufig in Duelle Mann gegen Mann steigen können. Bislang geht der Plan auf: Werner hat bereits fünf Tore erzielt.

Aber das Lustige an den vier Spitzenteams ist ja, dass drei ihrer Trainer sehr häufig für ihre taktischen Kniffe und ihre Fähigkeiten als Ausbildner gelobt werden. Und dass die Wahrscheinlichkeit sehr gross ist, dass doch der Vierte am Ende der Saison den Titel feiern darf.

Über Niko Kovac wurden keine Hymnen verfasst, seit er 2018 die Bayern übernommen hat. Meister ist er trotzdem geworden. Und nachdem einige der Bayern-Stars in der Sommerpause so taten, als habe ihr Arbeitgeber noch knapp zwölf Spieler unter Vertrag, wurde das Kader kurz vor Transferschluss ordentlich aufgepeppt. Kovacs Aufgabe ist also weiterhin nicht die des Taktikfuchses. Er muss vor allem Stars bei Laune halten.

Beruhigungspille Coutinho

Dabei mag die mediale Aufregung um Leihspieler Coutinho absurde Züge angenommen haben. Aber der Zuzug aus Barcelona scheint die Gemüter im Team so weit beruhigt zu haben, dass es sich seither darauf konzentriert hat, Fussballspiele zu gewinnen. Und das, ohne dass der Brasilianer bislang all zu viel Einfluss gehabt hätte.

Konnte bislang noch nicht brillieren in München: Neuzugang Coutinho. (Bild: Keystone)

Die Bayern haben auch ohne ihn Spieler im Kader, die die Fantasien anregen. ­Joshua Kimmich etwa, eben auf dem Titel des Magazins «11 Freunde» geadelt als «Der Chef». Derzeit streitet sich die Szene, ob der 24-Jährige nun wie im deutschen Nationalteam im zentralen Mittelfeld zu Hause sein soll – oder doch auf der Position des rechten Verteidigers, wo ihn Kovac sieht?

Gesichert ist, dass Kimmich mal in Leipzig gewohnt hat. Es gibt Bilder von ihm, wie er in den Keller seiner alten WG steigt und dort ein altes Klappvelo wiederentdeckt. Das Fahrrad hat mal seinem guten Freund Diego Demme gehört, der noch heute im Mittelfeld von RB spielt. Die zwei haben einst eher erfolglos versucht, die Leipziger Tischfussball-Szene zu erobern.

Demme, der es ja eigentlich am besten wissen müsste, sagt zu Kimmichs bester Position auf dem Feld: «Bis auf die Torhüterposition kannst du ihn eigentlich überall hinstellen.» Was die Diskussion auch nicht abschliessend beenden dürfte.

Demme und Kimmich sind nicht die beiden einzigen Kumpel, die sich am Samstag gegenüberstehen. Julian Brandt und Kai Havertz gaben noch letzte Saison unter Trainer Peter Bosz ein kongeniales Duo im Mittelfeld von Leverkusen. Brandt ist inzwischen in Dortmund, wo Bosz 2017 fünf Monate lang Trainer war, und wo ­Bayer am Samstag antritt. Und weil Brandts neuer Teamkamerad Marco Reus ein ziemlicher Scherzkeks ist, gab es zuletzt einige Aufregung.

Wie Özil ohne Erdogan

Reus hatte angekündigt, er und Brandt würden die Zeit im Nationalteam nutzen, um Havertz so lange zu beackern, bis der zur ­Borussia wechsle. Das ist brisant, weil Havertz als das gilt, was Kimmich bis vor kurzem war: das nächste grosse Ding des deutschen Fussballs. Oder wie es ­Leverkusens Sportdirektor Völler sagte: «Er ist eine Mischung aus Michael Ballack und Mesut Özil.» Vermutlich einfach ohne Recep Erdogan als Trauzeuge.

Ihm wird nachgesagt, der nächste ganz Grosse zu werden: Leverkusen-Spieler Kai Havertz. (Bild: Keystone)

Inzwischen haben die Dortmunder ihr Interesse an Havertz dementiert. Aber insgeheim waren sie wohl ganz froh um den Rummel. Schliesslich lenkte der etwas davon ab, dass in Dortmund nach der 1:3-Niederlage bei Union Berlin alle Warnleuchten angegangen sind.

Trainer Lucien Favre mahnte, es sei ungeschickt, öffentlich den Titel als Ziel auszugeben: «Wir müssen aufpassen, was wir sagen.» Was wiederum den Clubvorstand verärgerte. Gemeinhin hilft in solchen Situationen eines am besten: ein Sieg im Spitzenspiel gegen Leverkusen.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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